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Nachruf

Aliens, Sex und Sinn ohne Gott: Warum Erich von Däniken so viele faszinierte

Er wurde 90 Jahre alt: Am Samstag verstarb der Schweizer Autor Erich von Däniken. Als umstrittener Götter- und Alienforscher erlangte er weltweiten Ruhm.
Erich von Däniken wurde am 1935 im aargauischen Zofingen geboren.
Bild: Marcel Bieri

Als Schriftsteller hatte der 1935 in Zofingen geborene Erich von Däniken viel Erfolg. Die Auflagen seiner Bücher bewegten sich im hohen zweistelligen Bereich. In ihnen deklinierte er eine These immer wieder durch: Der Planet wurde in der Prähistorie mehrfach von Ausserirdischen besucht, die sich um die Menschheit kümmerten. Sie lehrten ihnen viele nützliche Dinge, versuchten sie durch Geschlechtsverkehr «züchterisch» zu verbessern oder hantierten vielleicht sogar an ihrem Genom herum. Belege fand er in der Archäologie. Aus grauer Vorzeit sind rätselhafte Objekte ans Licht gekommen, in Texten fanden sich mancherlei Andeutungen.

Seine Bücher waren Bestseller. Sie kamen wie Sachbücher daher, aber vermieden schwierige Auseinandersetzungen mit Details. Aus Archäologie, Physik und Theologie holte sich von Däniken, was er gerade brauchte. Einen biographisch ersten Anstoss lieferte ihm das Alte Testament. Der Gott der Israeliten zeigte eine auffällige Detailbesessenheit, zum Beispiel bei den Bauanleitungen für die Bundeslade.

Da war doch etwas Technisches dahinter. Oder die Vision des Propheten Ezechiel vom Thronwagen Gottes, ein «Marswägeli» mitten im Alten Testament. Aber auch bei anderen Kulturen fanden sich technisch inspirierte Darstellungen: Die berühmteste ist wahrscheinlich die Grabplatte des Fürsten Pacal aus Palenque. Sie zeigt den König an der Schwelle von Ober- und Unterwelt, sagen die traditionell orientierte Maya-Gelehrten, oder im Cockpit einer Rakete im An- oder Abflug die Maya-Präastronauten.

Die Gefängnisstrafe schadete seinem Ansehen nicht

Den Durchbruch zum Erfolg brachte ihm das Buch «Erinnerungen an die Zukunft». Es erschien 1968, als sein Autor gerade mit Widrigkeiten irdischer Provenienz zu kämpfen hatte. 1970 wurde der Hotelier wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die er auch teilweise absass. Das schadete seinem Ansehen als Sensationsautor nicht. Das Buch wurde sogar verfilmt. Ebenfalls diesbezüglich keinen Schaden anrichten konnten ihm wissenschaftliche Detailknübler. Sie wiesen akribisch nach: Er hatte sich bei anderen Autoren fleissig bedient. Um zu unterstreichen, wie «unmöglich» eine Vergangenheit ohne ausserirdische Assistenz sei, hatte er zudem Grössen- und Gewichtsangaben bei allerlei Monumenten einfach mit 2 oder 3 multipliziert.

Der Erfolg war nicht aufzuhalten. Die Bücher und Vorträge lieferten, was die Leute lesen und hören wollten. Von Däniken präsentierte seine sogenannte These stets unbeirrt, aber meist nichtfanatisch-freundlich. Er war der lächelnde Phantast. Man darf alles glauben, wer die Wahrheit wissen will, muss das nur wollen. Die Idee der Prä-Astronautik war auch nicht neu und schon gar nicht seine eigene Erfindung. Auch die orthodoxe Archäologie lieferte eine Art Unterstützung: In der Untersuchung von Megalithdenkmälern wie zum Beispiel Stonehenge fiel auf, wie oft sich die Erbauer an astronomischen Daten orientiert hatten. Auch wenn der Archäoastronomie mit Recht vorgeworfen wurde, dass sie manchmal allzu voreingenommen an die Steine herangegangen sei, waren die Resultate oft verblüffend.

Dass sich Erich von Däniken so lange im Geschäft halten konnte, liegt daran, dass er letztlich unverbindlich blieb. Auf «harte Diskussionen» mit Experten, die ihn hätten festnageln können, liess er sich nicht ein. «Ich liefere nur Hinweise», sagte er, «jeder mag selbst sehen.» Irgendwann komme man – nach der Lektüre seines 20. Buches? – dann zum Schluss, dass es anders gar nicht gewesen sein könne.

Als Fantast bewegte sich von Däniken in einer Zwischenwelt

Und der Tummelplatz der «unwahrscheinlichen Vorgeschichte» ist gross. Es gibt viele Autoren, die davon ausgehen, dass eine technisch hochstehende Zivilisation einst mehr oder weniger spurlos untergegangen sei. Und wenn ein neuer Schacht in den Pyramiden oder bei der Sphinx gefunden wird, ist das Interesse der Öffentlichkeit gewiss. Als Fantast bewegte sich Erich von Däniken stets in einer Zwischenwelt. Interstellarer Verkehr? Klar, hat es schon immer gegeben. Und dann begründet er das Antriebssystemen mit Überlichtgeschwindigkeit. Auch die Physik kann noch lernen. Und die Theologie sowieso. Wie kann man sonst erklären, dass es in den Mythen aller Völker nur so von Ausserirdischen und ihren Besuchen wimmelt?

Wo die Aliens auf der Erde gelandet snd, glaubt, von Däniken genau zu wissen.
Bild: RENT GILLIERON

Die sogenannten «grossen Menschheitsfragen» sind unsterblich. Sie werden in mannigfacher Gestalt gestellt. Eine – wahrscheinlich die beliebteste und bekannteste – ist: «Woher kommen wir?» Mit «wir» sind wirklich wir gemeint: Eine biologische Spezies, die sich aufgrund ihrer besonderen Hirnausstattung für intelligent hält, was nicht viel mehr meint, als dass sie sich allerlei Dingen bewusst ist. Der eigenen Endlichkeit zum Beispiel, eine eher als störend empfundene Fähigkeit, die aber Myriaden von Folgeirritationen produziert. Und uns unter anderem das «Sinnproblem» beschert hat. Wir nehmen unser Leben wahr als Strecke, von Geburt bis zum Tod, mögen uns aber damit nicht abfinden, sondern suchen nach anderen Punkten, anderen Dimensionen.

Sind wir wirklich ein Produkt des Zufalls?

Die Antwort, die «unsere orthodoxe Wissenschaft» auf die Frage gibt, ist ebenso überraschend wie enttäuschend: Wir sind letztlich ein Produkt aus Zufall und einem ausgewählten Sortiment von Umweltfaktoren. Die Wissenschaft nennt es «Evolution». Aber die Skeptiker sind nicht weit und wollen den Zufall nicht. Sie ersetzen ihn durch eine «schöpferische Intelligenz», in den meisten Fällen nicht von dieser Welt.

Das erst macht die «Woher»-Frage konkret. Sie stellt sich jetzt in Raum und Zeit. Die Antwort findet sich im «Fermi-Paradox» formuliert: Unser Universum ist so gross und so alt, dass es nicht sein kann, dass wir die einzige Intelligenz sind. Gleichzeitig haben wir keine einzige Spur einer anderen. Die Antwort liegt im «Problem des Besuchs». Es mag sie geben, die Ausserirdischen, aber sie sind zu weit weg und können uns nicht besuchen. Oder sie wollen nicht.

Die spannendste Frage an Erich von Däniken: Wenn sie schon mal da waren, warum melden sie sich nicht mehr? «Du musst nur den Hörer richtig abnehmen,» hätte EvD vielleicht gesagt.

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