Sally Rooney

Terrorgruppe unterstützt: Warum Sally Rooneys Bücher in Grossbritannien verschwinden

Weil sie weiterhin Tantieme für Palästina-Aktivismus spenden will, kann Sally Rooney ihre Bücher nicht mehr verkaufen. Sie nimmt das in Kauf und erhält massenhaft Unterstützung - auch von Israelhassern.

Mit einer betont authentischen Schreibweise hat Sally Rooney Karriere gemacht. Auf TikTok und anderen sozialen Plattformen tragen junge Leser zu ihrem Hype bei und empfehlen ihre Bücher. Weltweit hat sie davon weit über 6 Millionen verkauft.

Als eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der Gegenwart macht sie auch dann von sich reden, wenn ihre Bücher nicht mehr erscheinen. So geschehen in Grossbritannien: Am Mittwoch hat ihr Verlag Faber & Faber angekündigt, ihre Bücher im Vereinigten Königreich nicht länger anzubieten.

Der Grund: Das Vereinigte Königreich stuft die von Rooney unterstützte Protestgruppe «Palestine Action» seit etwas mehr als einem Jahr als terroristisch ein. Seit dem Verbot der Gruppe kann die Autorin die Einnahmen aus ihren Buchverkäufen nicht mehr zu deren Unterstützung verwenden, ohne rechtliche Konsequenzen zu riskieren.

Der Verlag hat auf seiner Website eine Pressemitteilung veröffentlicht: «Die aktuelle Gesetzeslage im Vereinigten Königreich hat dazu geführt, dass Faber die dort erzielten Einnahmen für Sally Rooneys Werke nicht weitergeben kann. Es ist für einen Verlag untragbar, Bücher zu verkaufen und die Erlöse nicht an die Autorin weiterreichen zu dürfen.»

Welle der Empörung auf Instagram

Rooney hat sich schon früher für Sanktionen und Boykotte gegen Israel ausgesprochen. Der Gruppe «Palestine Action» hält sie weiterhin die Treue – und nimmt dafür ausbleibende Einnahmen in Kauf. Ihr bleibt die Gewissheit, ihren Überzeugungen entsprechend zu handeln. Wie übrigens zahlreichen anderen Unterstützern der Gruppe. Seit deren Verbot soll es laut Amnesty International innerhalb eines Jahres zu mehr als 3000 Festnahmen gekommen sein.

Auch in den sozialen Medien hat der Verlag seinen Entscheid kommuniziert. In der Kommentarspalte auf Instagram macht sich Empörung breit. Allerdings nicht darüber, dass Rooney eine als terroristisch eingestufte Gruppe unterstützt, sondern über den «Book Ban». Eine Autorin, die über Alltägliches schreibt, werde zur Terroristin stilisiert, und eine Gruppe, die Freiheit und Gerechtigkeit fordert, von der britischen Regierung kriminalisiert.

«Eine Schande für die UK», schreibt ein Nutzer. Im deutschen Raum kritisieren andere die vermeintliche «Zensur» durch den Staat. Und unter einem Beitrag des irischen Satireformats «whispersnews», das fragt: «Welches Buch hat Sie zum Hamas-Unterstützer gemacht?», schreibt ein Nutzer: «Normale Menschen. Weil normale Menschen gegen Israel sind.»

Eine neue Leserschaft

Solche Kommentare erwecken den Eindruck, dass sich die Solidarität mit der Autorin weniger aus dem Kampf gegen Zensur speist. Sondern viel mehr von einer politischen Wut angetrieben wird, für die «Palestine Action» nur ein Ausdruck ist. So entsteht eine eigentümliche Situation: Die lautesten Fürsprecher der Autorin sind nicht unbedingt Literaturliebhaber – im extremsten Fall sind es Israelhasser.

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