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Robert Menasse ist ein trauriger EU-Idealist: Nach der EU lauert der Tod

Mit seinem neuen Buch «Die Lebensentscheidung» setzt der österreichische Schriftsteller Robert Menasse seine literarische Beschäftigung mit der EU fort.
So mag sich Franz Fiala, Hauptfigur in Robert Menasses Novelle, fühlen.
Bild: Jonathan McHugh / Imago

Wenn ein österreichischer Schriftsteller einen EU-Bürokraten zur Hauptfigur einer Novelle macht, wird es lustvoll morbid, der Humor maximal sarkastisch. So, wie es wohl nur ein Wiener kann. Der literarische EU-Experte Robert Menasse erzählt in seinem neuen Buch zudem eine todkomische Mutter-Sohn-Beziehung. Seine temporeiche Novelle wird zur tragikomisch-vergnüglichen Lektüre-Rutschpartie, an deren Ende der Tod lauert.

Robert Menasse: Die Lebensentscheidung. Novelle. Suhrkamp, 158 S.
Bild: pd

Menasse hat 2017 mit «Die Hauptstadt» den ersten grossen Liebes- und Enttäuschungsroman über die Europäische Union und deren Bürokratie geschrieben. Die brillant recherchierte Groteske wurde gefeiert und gewann den Deutschen Buchpreis. Mit seiner neuen Novelle «Die Lebensentscheidung» legt er wiederum den Finger in die Wunde dieser Europäischen Union. Die Hauptfigur, der kinderlose Franz Fiala, ist nach zwanzig Jahren ergebnislosem EU-Idealismus frustriert und lässt sich frühpensionieren. Die EU-Kommission beuge sich Bauernprotesten und nationalistischen Egoismen und verrate ihre eigenen Ideale. Fiala hat es satt – und man spürt Menasses eigenes Leiden an diesem grossen europäischen Projekt.

Franz Fiala grösste Lebensentscheidung ist aber nicht die Frühpensionierung. Als er todkrank wird, will er unbedingt seiner rabiat-schrulligen Mutter ersparen, dass sie ihr einziges Kind überlebt. Rührend, grotesk – mit messerscharfer Sprache.

Robert Menasse: Die Lebensentscheidung. Novelle. Suhrkamp, 158 S.

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