Pop

Kill das Business – warum begeht Ariana Grande zum Rücktritt ein Massaker?

Die Plastik-Prinzessin des Pop schlägt am Ende ihrer Karriere neue Töne an. Ihr Grande Finale ist ein Rückzug mit Ansage.
Ariana Grande bei der Verleihung der Golden Globes im Januar in Beverly Hills. Sie war für ihre Rolle als Glinda in den «Wicked»-Filmen als beste Nebendarstellerin nominiert, ging aber leer aus.
Bild: Christopher Polk/Getty

Ein Star tritt ab. Ariana Grande, eine der meistgestreamten Musikerinnen aller Zeiten, hat genug. Genug von der Kritik an ihrem Körper und ihrem Sexleben. Von den Gerüchten über ihre mögliche Magersucht oder Krebserkrankung. Von Spekulationen über ihre Gesundheit, was immer das heissen soll. Auf dem Höhepunkt ihrer aktuellen Tour gibt sie ihren Rücktritt aus der Öffentlichkeit bekannt.

Was habe ich damit zu tun? Herzlich wenig bis nichts. Persönlich finde ich die Künstlerin unerheblich. Synthetische Prinzessinnen, die ihre Zehen opfern, um in fremde Schuhe zu passen, sind für mich grundsätzlich austauschbar.

Ihre Rehaugen, ihr waidwunder Blick einer Audrey Hepburn, Grande wirkt wie ein grosses Zitat. Ganz so wie ihr Bestseller-Duft «Cloud», eine Mischung aus Erinnerung und Behauptung. Lavendel, Birne, Vanilleorchidee – und Blümchen-Sex als Moschus-Basis.

Ob mit oder ohne Grande, die Musikwelt wird sich weiterdrehen. Natürlich sehe ich ein: Meine Meinung ist irrelevant. Das Sagen haben ihre 375 Millionen Follower auf Instagram, sie erleben den Entscheid ihres Idols völlig anders. Und genau das ist die Crux. Grande gehört nicht sich selbst, sie ist im Laufe ihrer Karriere Besitz ihres Publikums geworden.

Seit Kindheit im Scheinwerferlicht

Die Künstlerin lässt mich zwar kalt, trotzdem bewundere ich von ganzem Herzen ihre Entscheidung. Ich danke ihr sogar dafür. Für den Mut und die Klarheit, in dem sie einen Strich zieht, eine Grenze definiert und das hochhält, was man Selbstachtung nennt.

Auf dem Peak der Rückzug, das ist die perfekte und filmreife Pointe. Acht Alben, mehrere Nummer-1-Hits.  Sie erntete Grammys, Filmpreise, vermarktet ihre eigene Kosmetik, ihre eigene Parfüm-Marke, das Millionen schwer sein soll – was will man noch mehr mit 33 Jahren?

Grande ist im Scheinwerferlicht gross geworden, sie teilte mit ihren Fans über Jahre ihre Beziehungskrisen genauso wie ihre Drogengeschichten und depressiven Episoden. Sie hat sich verfügbar gemacht, doch längst wird über sie verfügt, eine einfache Rechnung.

Irgendwann wird einer klugen jungen Frau auffallen, dass der Preis für ein Leben in der Öffentlichkeit erheblich ist. Man kann das satt bekommen, und vielleicht genau jetzt.

Ariana Grande an der Premiere des Films «Wicked For Good» im November 2025 in London.
Bild: Scott A. Garfitt/AP

Wer genau hinhörte, ist von ihrem Rücktritt nicht überrascht. Wie ihr kommerzieller Hit «7 rings» handeln viele ihrer Songs vor allem von zwei Dingen, Freiheit und Selbstbestimmung. Doch beides ist nicht vorgesehen, wenn Fans auf sozialen Medien zum Stimmungsbarometer einer Karriere werden und über den Marktwert eines Stars mitbestimmen.

Kettensägen-Massaker an Musikproduzenten

Ich denke mir, dass es so lief ( das neue neue Album «Petal», Blütenblatt, hat mich auf die Idee gebracht): Grande und ihr Regisseur Christian Breslauer drehten das Video zum Titelsong, und dabei ist es passiert: Da kam die Einsicht, dass Grande ihr Leben neu sortieren muss.

Der Song, biografisch inspiriert, handelt von einer jungen Sängerin, Pepper, die ein Star werden will. Darüber zu entscheiden haben vier comicartig, verbiestert-alte Produzenten. Pepper führt ihnen verschiedene Versionen ihrer selbst vor, wird gedemütigt und handelt. In einer blutrünstigen «Kill Bill»- Aktion schwingt sie die Kettensäge und zerfetzt ihre Kritiker zu Klumpen.

Natürlich ist die Sängerin im wahren Leben zu gut erzogen, um ein Massen-Massaker unter ihren Fans – und der Musikwelt - zu veranstalten. Sie tut es auf ihre eigene Weise: Ein Rücktritt just jetzt, wo doch ein Comeback in Aussicht gestellt war.

Und was, wenn Ariana Grande den Entzug der Öffentlichkeit doch nicht schafft? Dann wird sie ihr Leben eben grandios verfilmen.

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