So geht grossartige Satire! Nah an der politischen Realität, deren Konsequenz sie mit bösem Witz sichtbar macht. Da hatte der botswanische Präsident vergangenes Jahr damit gedroht, 20’000 seiner 130’000 Elefanten nach Deutschland zu verschiffen – zornig darüber, dass die Europäer ein Einfuhrverbot für Grosswild-Jagdtrophäen beschliessen wollten. Die Elefanten fressen den Bauern des mausarmen afrikanischen Landes die Ernten weg oder zertrampeln sie. Das Land verdient mit dem kontrollierten Abschuss durch reiche Trophäenjäger dringend benötigte Devisen.
Den selbstgefälligen moralistischen Kolonialismus auf dem Buckel armer Länder nutzt die niederländische Schriftstellerin Gaea Schoeters für ihre brillante Satire und setzt in ihrem Roman «Das Geschenk» die Drohung des botswanischen Präsidenten kurzerhand um: «Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet Ihr es einmal selbst versuchen ...», sagt er dem deutschen Kanzler am Telefon. Schoeters gelingt eine rasante, glänzende Politsatire, mit sehr viel Elefantendung in Berlin, den der Kanzler unglücklicherweise als Dünger zu Geld machen will. Bis Ruanda die Elefanten aufnimmt (die Briten versuchen Selbiges mit Flüchtlingen), zerlegt dieser Roman nach dem Rezept «verdrehte Welt» politische Mogelei.
Gaea Schoeters: Das Geschenk. Roman. Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing. Paul Zsolnay-Verlag, 140 Seiten.

Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.