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Editorial

Nie mehr eine Landesausstellung in der Schweiz: Der Grund dafür ist eindeutig

Der Bundesrat schafft Fakten: Alle Projekte für eine nächste Expo stehen vor dem Aus. Aber wäre jetzt nicht der ideale Zeitpunkt, sich mit der Identität der Schweiz und ihrer Rolle in der Welt zu befassen?
Bleibt vielen in Erinnerung: Der von Jean Nouvel geschaffene Monolith auf der Arteplage der Expo.02 in Murten.
Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Warum tut sich die Schweiz, dieses wohlorganisierte Land, so schwer mit einer Expo? Schon die letzte Landesausstellung 2002 war ein Geknorz. Und nun zeigen Recherchen der «Schweiz am Wochenende»: Alle künftigen Projekte stehen vor dem Aus.

Können wir’s einfach nicht?

Gerade fanden in der Schweiz zwei Grossanlässe statt: die Fussball-EM der Frauen und der Eurovision Song Contest. Beide wurden international für ihre perfekte Organisation und positive Ausstrahlung gelobt. Und da liegt der Punkt: Sobald wir nach aussen glänzen können, strengen wir uns an. Dann saugen wir die Komplimente der Weltpresse gierig auf. Es hat sich gelohnt!

Eine Landesausstellung dagegen richtet sich nach innen. Die Welt ignoriert sie. Keine Schlagzeile in der «New York Times»! Da fehlen uns plötzlich Lust und Motivation. Nabelschau ist nicht unser Ding. Lieber sind wir der Nabel der Welt. Nur für kurze Zeit, um danach wieder unter dem Radar zu fliegen.

Können täten wir’s. Aber wir wollen offenbar nicht. Oder nicht so richtig. Der Willensnation fehlt der Wille, eine Expo aufzugleisen. So jedenfalls liest sich der Gesetzesentwurf des Bundesrats. Er schafft so viele Unsicherheiten bei der Finanzierung, dass klar ist: Unter diesen Bedingungen wird es keine Landesausstellung mehr geben.

Denn Wille bedeutet in der Schweiz meist: Wille, zu zahlen. Dazu ist der Bund nicht bereit. Die Willensnation ist bei der Expo keine Zahlungswillensnation.

Scheitert es am Geld, wird vieles einfacher. Man kann der mühseligen inhaltlichen Diskussion ausweichen: Brauchen wir eine Expo, um uns wieder einmal mit uns selbst, unserer Identität und unserer Rolle in der Welt zu befassen?

1939, mit Hitler als Bedrohung, waren die Antworten klar und mehrheitsfähig. Die Landi 39 war die erfolgreichste aller Expos. Heute ist die Welt komplexer: der Kleinstaat in der neuen Ära der Machtpolitik, die Neutralität, die Europa-Frage, das Verhältnis zu Trumps Amerika … Einfache Antworten sind da nicht zu erwarten. Mehrheitsfähige erst recht nicht.

Genau das wäre das beste Argument für eine neue Expo. Entscheidend ist nicht, was am Ende herauskommt, sondern der Weg dorthin.

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