Faschismus

Ist jeder AfD-Wähler ein Nazi? Jetzt redet Mike Müller

Auf Twitter hat der Schauspieler einen riskanten Vergleich gemacht. Er wird dafür heftig kritisiert. Stehen hinter den Attacken gegen ihn Nazis?

Schauspieler Mike Müller ist für seine scharfen politischen Aussagen bekannt. Mit einem aktuellen Beitrag auf Twitter hat er sich jetzt ganz besondere Feinde gemacht: Die Nazis.

Als Reaktion auf die politische Debatte nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag fragte sich der Schauspieler auf Social Media: «Was ich nicht so verstehe, warum der Kanzler eines Achtzig-Millionen-Landes wegen einer knappen Million Nazis in einem gescheiterten Gliedstaat zurücktreten soll.»

Mike Müller hat auf Twitter gegen 135 000 Follower, die Reaktionen auf seinen Tweet blieben nicht aus. Der Beitrag generierte innert kurzer Zeit über zehntausend Aufrufe, der Tenor war unmissverständlich: Mike Müller gehe mit dieser Aussage eindeutig zu weit.

Die plötzliche Stimmenvermehrung

Bezeichnet denn der Schauspieler sämtliche AfD-Wählerinnen und -Wähler als Nazis? Und wieso macht er, der üblicherweise faktenorientierte Politbeobachter aus 600 000 Wählerstimmen im Sachsen-Anhalt plötzlich «eine knappe Million»?

Mike Müller gibt auf Anfrage Antwort. Die Zahlen hat er tatsächlich nicht genau recherchiert, aber das ändere an seiner Aussage grundsätzlich nichts. «Das Verhältnis ist auch so krass. Da schiebt eine ostdeutsche Minderheit ein ganzes Land vor sich her, das ist ein Unding.»

Wäre es für einen Schweizer Kulturschaffenden nicht angebracht, die Folgen dieser Wahl für die Schweiz zu kommentieren, statt die deutsche Politik abzustrafen? Müller will nicht «die ganze deutsche Politik abkanzeln. Ich kanzle die deutsche AfD ab, die sich laufend und schleichend mit unseren politischen Exponenten verbindet, so zum Beispiel mit Ueli Maurer, Markus Somm oder Roger Köppel.» Der Schauspieler ist überzeugt: «Insofern geht uns die Entwicklung des deutschen Faschismus sehr wohl etwas an.»

Wer Nazi wählt, muss ein Nazi sein

Deutscher Faschismus also, für Müller sind AfD-Wählende demzufolge alles Nazis? «Wer Nazi wählt, muss sich nicht gross wundern», lautet seine ausweichende Antwort. «Wir können jetzt wie bei Trump ewig diskutieren, ob er ein Faschist ist oder nicht, mittlerweile fragt sich das auch niemand mehr. Und bei der sächsisch-anhaltinischen AfD war die Frage schon vor der Wahl beantwortet.»

Der Widerspruch auf seinen Tweet berührt Müller nicht. Die Anzahl Zustimmender oder Ablehnender im Netz seien für ihn keine Grösse, die sein Denken beeinflusse. «Nein, ich ändere nicht einen Tweed, weil sich ein paar Rechtsradikale aufregen.» Einen Gutteil seiner Kritiker scheint er sogar zu kennen. Es sind, davon ist er überzeugt, «etliche Nazis».

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