Letzigrund Stadion Zürich

Höllensound zur Höllenhitze -  Machtdemonstration der grössten Metal-Liveband der Welt

Trotz Gigantismus und Protzerei - Metallica gelingt der Balanceakt zwischen Maintream und Gegen-Kultur.
Sänger und Rhythmusgitarrist James Hetfield präsentierte sich im ausverkauften Letzigrund im vollen Saft.
Bild: André Albrecht

Es waren immer noch gegen 30 Grad im Letzigrund Stadion, als sich die vier Helden von Metallica zu den Klängen von AC/DC und Ennio Morricone den Weg durch die johlende Menge bahnte. Ein Einzug der Gladiatoren zur 360-Grad-Bühne inmitten des Stadions.

Die ringförmig angelegte Spielfläche war komplett vom Publikum umgeben, während die vier Musiker ständig die Seiten wechselten und damit zu einem unmittelbaren, rundum erlebbaren Konzerterlebnis beitrugen. Optisch eingerahmt wurde die Bühne von acht riesigen, zylinderförmigen Türmen, die mit gewaltigen LED-Screen bestückt und gleichzeitig für das Lichtdesign besorgt waren.

Zürich hat die wohl spektakulärste Rock-Bühnenproduktion der letzten Jahre erlebt. Standesgemäss für eine Band, die seit über vierzig Jahren die Bühnen und Stadien dieser Welt. Metallica in Letzigrund – das war auch eine Machtdemonstration der grössten Metal-Liveband der Welt.

Die wohl spektakulärste Rock-Bühnenproduktion der letzten Jahre.
Bild: André Albrecht

James Hetfield überzeugt mit Präsenz und Ausstrahlung

Aber Metallica Ausgabe 2026 ist mehr als Protzerei und Perfektionismus. Schnell wurde deutlich, weshalb die Band auch nach über 40 Jahren Bandgeschichte an der Spitze steht. Sänger James Hetfield, Gitarrist Kirk Hammett, Schlagzeuger Lars Ulrich und Bassist Robert Trujillo strotzten vor Spielfreude. Vor allem Hetfield beeindruckte mit einer Bühnenpräsenz und Ausstrahlung, die ihm in dieser Intensität kaum mehr jemand zugetraut hätte.

Klassiker wie «Seek & Destroy», «Creeping Death», «One» oder «For Whom the Bell Tolls» entfalteten eine Wucht und Dringlichkeit, die selbst eingefleischte Fans noch überraschte. Gleichzeitig erfuhren Songs des umstrittenen Albums «Death Magnetic» (2008) wie «Cyanide» oder «The Day That Never Comes» auf der Bühne eine bemerkenswerte Aufwertung: Was den Studiofassungen einst an Dynamik fehlte, entwickelte im Live-Kontext eine dunkle, fast unheimliche Kraft. Ein Höllensound zur Höllenhitze.

«Alperose» zur Auflockerung und zum Durchatmen

Zeit zum Durchatmen gönnte die Band sich und dem Publikum eigentlich nur während der Ballade «Nothing Else Matters» — sowie beim locker und beinahe improvisiert vorgetragenen Mundartklassiker «Alperose». Solche kurzen Covereinlagen von Kirk Hammett und Robert Trujillo gehören mittlerweile fest zum Livekonzept von Metallica. Die sogenannten «Doodles» greifen jeweils Songs mit Bezug zum Gastgeberland auf und sorgten innerhalb der monumentalen Stadionproduktion auch in Zürich für einen überraschend spontanen und auflockernden Moment.

Metallica gelingt der Balanceakt zwischen Mainstream und Metal-Gemeinschaft. Trotz allem Bombast und Gigantismus blieb die Performance rau genug. Genau darin liegt wohl das Geheimnis von Metallica: Die Band ist gigantisch erfolgreich und längst eine globale Institution. Sie schaffen es aber immer noch, die Energie einer hungrigen Metalband zu bewahren und glaubwürdig zu vermitteln.

Die kalifornischen Metal Legenden Metallica: Robert Trujillo, James Hetfield, Lars Ulrich und Kirk Hammett (von links).
Bild: André Albrecht

Dabei haben die vier Musiker längst ein Alter erreicht, in dem andere Bands nur noch von ihrer Vergangenheit leben. Alle Mitglieder sind inzwischen über 60 und haben im Rockgeschäft praktisch alles erreicht, was erreichbar ist. Zwar fielen die Konzerte früher oft deutlich länger aus und dauerten nicht selten beinahe drei Stunden. In Zürich endete die Show bereits nach gut zwei Stunden – möglicherweise eine Konzession an das Alter. Gerade dadurch wirkte das Set jedoch erstaunlich fokussiert, dicht und energiegeladen.

Metallica sind gut gealtert

Das Publikum bekam keine selbstgefällige Nostalgieveranstaltung geboten, sondern eine Band, die sich bewusst auf ihre Wurzeln besinnt. Viele Songs erinnerten an jene Zeit, als Metal noch als radikale Gegenkultur galt und Metallica für Geschwindigkeit, Aggression und Unberechenbarkeit stand. Genau darin liegt bis heute ihre besondere Glaubwürdigkeit: Trotz ihres gigantischen Erfolgs wirken Metallica nicht wie eine routinierte Mainstream-Maschinerie, sondern wie eine Band, die den Kern ihrer ursprünglichen Energie bewahrt hat. Metallica sind nicht einfach älter geworden — sie sind bemerkenswert gut gealtert.

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