Ein Jugendlicher ,er heisst Milan, begräbt erschossene Waldtiere in seinem privaten Friedhof. In der Scheune stapelt er getrocknete Vogelkadaver. Ein anderer löchert im Gehölz Holzpuppen, und Rose, die Tochter von Kommissarin Melly Böve (Lina Beckmann) schlägt zu und verletzt ihren Freund.
Jugendliche mit Wut im Bauch
Was ist mit den Kids los? Gute Frage an einem Ort wie hier, an dem die Kälte, die menschliche Distanz und düstere Verdachtsmomente von den kranken Tannen tropfen wie Tränen aus dickem Harz. Kommissar Pöschel (Andreas Guenther) nimmt es locker:«Auf der Rostocker Heide ist echt was los».
Die Folge «Böse geboren» verhandelt die Frage, ob es «Verbrecher-Gene» gibt. Könnte ja durchaus sein, wenn der eigene Vater ein mehrfacher Frauenmörder ist. Eigentlich aber zeigt der Film Familienkonstellationen, die auf Grund ihres Schweigens über Geheimnisse und versteckte Gewalt kollabieren.
Sternstunde für eine Ausnahmeschauspielerin
Das Psychodrama wäre sicher eine Ecke zu voraussehbar, wäre da nicht die Eine, der man alles glaubt und jeder einzelnen Mimikfalte Folge leisten will: Lina Beckmann. Die Darstellerin hat für ihre brillanten Darbietungen in grossen Rollen am Schauspielhaus Hamburg gerade den Gustav-Gründgens-Preis erhalten.
Die Filmkamera zeigt hier hautnah, was sie wirklich kann. Bei ihrem fünften Einsatz in Rostock ist das nicht nur ihre warmherzige Leichtfüssigkeit, sondern auch eine ganz neue Seite. Melly Böwe nämlich hat ein dunkles Geheimnis, und das macht sie uns noch lieber.
«Polizeiruf» aus Rostock – «Böse geboren». ARD, So, 25.5. 20.15 Uhr. 4/ 5 Sterne.


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