Frauenstreiktag

Männer wollen mehr!

Was, wenn am Sonntag Männerstreiktag wäre? Und auch sonst die Männer mit den Frauen alle Rollen getauscht hätten? Unsere Gastautorin hat sich das mal vorgestellt.
Die Frauen zuerst - von diesem Szenario geht auch der Film «Ladies First» aus, der auf Netflix läuft.
Bild: Netflix

Es ist wieder soweit. Am Sonntag streiken einmal mehr die Schweizer Männer. Ob der Männerstreik jedoch heute noch nötig ist, darüber zeigt sich die Schweiz gespalten. Wir haben bei den Frauen der Parteispitzen und ihren Ehemännern nachgefragt. Und die Haltung scheint klar: Die Männer der befragten Chefinnen halten wenig vom Lärm der Strasse.
Sie sehen keinen Grund, ihr häusliches Leben in Frage zu stellen.

«Ich habe alles, was ich brauche», sagt beispielsweise der Mann von Politikerin Wanda Müllerin lächelnd. «Meine Frau und ich haben immer beide gearbeitet – bis die Kinder kamen. Dann wollte ich mehr bei ihnen sein. Nun schaut sie, dass das Geld nach Hause kommt, und ich kann mich ganz den Arbeiten widmen, die mich als Mann auch einfach mehr erfüllen.» Gewalt habe er von Frauen noch nie erlebt. Und auch von den sexualisierten Übergriffen, von welchen andere Männer erzählen, weiss er nichts. «Ich verstehe nicht, was die Männer haben. Wenn mir Frauen nachschauen, oder sie mir als junger Mann hinterherpfeifen, dann ist das doch einfach ein Kompliment.» Und dieses Kompliment, das möchte die Autorin dieses Artikels betonen, ist bei dem jungen Herr Müllerin ganz sicher nicht fehl am Platz.

Die Sache mit den Komplimenten sehen die Maskulinsten, die am Sonntag auf die Strasse gehen, jedoch anders. Was verwundert, wenn frau an letztes Jahr zurückdenkt, als viele der gerade jüngeren Männer in der Hitze des Juni-Wochenendes ihre haarlosen und braungebrannten Körper nur leicht verhüllten. Und genau diese Freizügigkeit ihnen wieder die Blicke eben deren Frauen einbringen wird, die sie doch scheinbar nicht wollen.

Wir wollen ja nicht, dass sich Jungs eingeschüchtert fühlen

Es gehe um das Recht am eigenen Körper, sagen die Jungs, um das Recht, ihn zeigen zu dürfen, ohne gleich sexualisiert zu werden. Das Recht, nicht von Frauen angefasst zu werden. Und da muss frau ihnen natürlich auch Recht geben. Wir sollten den Jungs und ihren Befindlichkeiten ihren Platz lassen. Wollen wir ja schliesslich nicht, dass sie sich eingeschüchtert fühlen und nicht frei und sicher bewegen können. – Solange es nicht zu ordinär wird, versteht sich. Denn Maskulinismus hin oder her, an einigen Stellen muss frau auch eine Grenze ziehen.

Beispielsweise beim Präsentieren von männlichen Brustwarzen. Diese sollten stets bedeckt bleiben, da sie ausschliesslich zu Lustzwecken existieren und damit die Frauen reizen. Dies ganz im Gegensatz zur Frauenbrust, die durch ihre Produktivität klar der Ernährung nächsten Generationen von Frauen zugutekommt, die unsere Gesellschaft in die Zukunft führen werden.

Frauen auf der Baustelle pfeifen einem gutaussehenden Mann hinterher in «Ladies First».
Bild: Netflix

Die hormonelle Unterschiede sind halt eine Barriere

Die streikenden Männer kritisieren auf ihren gebastelten Flyern zudem, dass Verhütung nur in ihrer Verantwortung liege, und fordern die Pille für die Frau. Ein interessanter Ansatz, der jedoch von Seiten der Medizinerinnen als schwer umsetzbar gilt. «Männer sind 24/7 fruchtbar, Frauen nur wenige Tage im Monat. Es macht deshalb im Sinne von Aufwand und Ertrag keinen Sinn, bei der Person anzusetzen, die Fruchtbarkeit so viel weniger betrifft», sagt Ärztin Susanne Fischerin. Zudem seien die getesteten Nebenwirkungen bei Frauen mit Gewichtszunahme und beinahe männlich emotionalen Ausbrüchen wirklich nicht tragbar.

Eine weitere Forderung der Maskulinisten sind bessere Löhne für all die Arbeiten, welche die Männer verrichten. Denn auch diese Arbeit habe Wert. Das wird – trotz aller Hengstbissigkeiten in diesen Berufsfeldern – niemand abstreiten. Das Problem bleibt jedoch, dass sich Männer in Lohnverhandlungen und in Bewerbungsprozessen weniger fordernd und durchsetzungsstark zeigen. Das liegt bekannterweise an ihrem durchgehend hohen Hormonlevel, aufgrund dessen sie empfindlicher und emotionaler reagieren, beeinflussbarer und unterwürfiger sind.

Unsere Bundesrätinnen stehen teilweise hinter den Forderungen der Männer. An anderen Punkten gehen sie ihnen klar zu weit. Dass Frauen beispielsweise nach ihrem Teil der Arbeit von Schwangerschaft und Geburt die Männer dann bei deren Teil, der Aufzucht der Kinder, unterstützen sollen. «Hier geht die Forderung ganz klar über Gleichstellung hinaus», sagt Bundesrätin Hanna Roth, Tochter von Alt-Bundesrätin Johanna Roth. Es sei klar, dass Frauen den Teil erledigen, den die Männer durch den fehlenden Uterus nicht übernehmen können und die Männer anschliessend übernehmen würden.

Es ist klar: Kinder brauchen ihre Väter

Zudem würde das die Wirtschaft nicht verkraften, wenn all diese Frauen ausfallen. Ebenso wie die politischen Ämter, die in dieser Zeit brachliegen würden. Und ganz zu schweigen von den Kindern, die darunter wohl am meisten leiden würden. Denn Kinder brauchen ihre Väter.

Vonseiten der Kirche hält frau sich zurück. Ganz gemäss Pästin Chantal II., die in ihrer Predigt zur Feier unserer Göttin klarstellte, dass Männer ebenfalls wichtige Mitgliederinnen unserer Gesellschaft seien. Dass jedoch viele ihrer Forderungen den Grundsätzen unserer Heiligen Schrift auch klar widersprächen.

Trotzdem: Frauen, die sich solidarisieren wollen, dürfen gerne mitlaufen, lässt das maskulinistische Komitee verlauten. Und lasst uns das doch tun. Es muss ja schliesslich auch jemand für die Sicherheit sorgen und in unangenehmen Situationen die Kommunikation mit Behörden übernehmen, technische Probleme lösen. Auch wer davon nichts hält: Frauen, bringen wir unseren lieben Männern am Sonntag doch etwas zur Wertschätzung nach Hause. Einen Strauss Blumen oder ein hübsches Schmuckstück.

Ein Perspektivenwechsel - aber nicht die Lösung

Haben sie es bemerkt? Dieser Artikel ist inspiriert vom aktuellen Film «Ladies First» mit Borat-Darsteller Sacha Baron Cohen und Rosamund Pike – der auf dem französischen Original «Je ne suis pas un homme facile» von 2018 aufbaut. Und ja, hier werden Stereotype wiederholt und überspitzt. Das kann witzig sein und entlarvend, hat aber nichts damit zu tun, was Feminismus eigentlich will. Es geht nicht darum, bestehende Ungerechtigkeiten einfach aufs andere Geschlecht zu übertragen. Das wäre «Rache» und keine Gleichberechtigung.

Auch im Matriarchat wäre das System nicht automatisch in den Geschlechterrollen umgedreht. Hätte sich dieses anstatt des Patriarchats vor 10'000 zu bilden begonnen, hätten sich andere Strukturen aufgebaut. Die Forschenden matriarchaler Gesellschaften und Kulturen beschreiben diese aufgrund ihrer Forschung bei den Völkern der Khasi in Indien, der Mosuo in China oder Mikangabau in Indonesien wie folgt: Wir hätten die matriarchale Erblinie, oder gar keine im Vornherein festgelegten Erben. Wir würden vermutlich in Familiengefügen leben, die Mütter-Kinder-Beziehungen im Fokus hätten.

Vielleicht würden auch Ehen nicht existieren – sondern so etwas wie temporäre Affären auf Einladung. Wir würden in grösseren, schwesterlichen Verbünden leben und dementsprechend wäre die Art zu wohnen und bauen komplett anders. Unsere Religion könnte eher die Natur und die Fruchtbarkeit feiern und keinen alten Mann im Himmel. Und Care-Arbeit hätte genau so viel Wert wie andere Arbeit.

Was nun «fairer» ist und wie ein wirklich egalitäres System aussehen sollte, darüber kann man diskutieren. Sollte man vielleicht auch.

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