Die Anrufe, die man als Mitglied der Redaktion bei Jals machte, konnte man in zwei Gruppen unterteilen. Erstens: Man brauchte zu einem bestimmten Thema eine Karikatur. Zweitens: Jals hatte eine Karikatur geliefert, und man wollte noch irgendetwas Kleineres geändert haben. Oder etwas Grösseres.
In beiden Fällen war die Kommunikation nicht immer ganz einfach. Das liegt in der Natur der Sache: Hier wir Redaktorinnen und Redaktoren, die vor allem logisch, linear und sprachlich funktionieren. Dort der Zeichner, der visuell denkt und unsere Anliegen in ein Bild umsetzen soll, das auf den ersten Blick wirkt und idealerweise auf den zweiten Blick noch eine Zusatzpointe liefert.
Fairerweise muss man zugeben, dass unsere Aufträge nicht immer durch ein Thema motiviert waren, das sich für Karikaturen besonders gut geeignet hätte. Sondern oft genug auch durch das Fehlen eines passenden Fotos. «Dann bringen wir halt einen Jals», war ein oft gehörter Satz auf der Redaktion. Er hat uns das nie übel genommen.
Er reagierte mit väterlicher Nachsicht
Ich kann mich gut an Diskussionen mit ihm erinnern, wenn ich ausnahmsweise mal eine seiner Zeichnungen nicht verstand. Oder persönlich nicht lustig fand. Oder wenn man einen darauf abgebildeten Promi meines Erachtens zu wenig gut erkannte. Und wir dann um Details feilschten: «Vielleicht könnte man da am Bildrand ... und das hier etwas deutlicher ... vielleicht die Nase ... und die Sprechblase am besten ganz neu.»
Jals liess sich selten aus der Ruhe bringen. Er hörte zu, erklärte ein wenig, liess durchaus mit sich reden, und notfalls lieferte er auch mal eine ganz neue Zeichnung. Und alles mit einer väterlichen Nachsicht, die vielleicht auch daran lag, dass er erst mit 61 und damit fast schon im Pensionierungsalter bei uns anfing. Das war 1999, und bis 2012 zeichnete er rund 4000 Karikaturen für unsere Zeitung.
Neben Karikaturen künstlerisch vielfältig
Vor wenigen Tagen ist Jals, der 1938 im deutschen Essen zur Welt kam, verstorben. In der Zentralschweiz weilte er übrigens der Liebe wegen. Mit 24 heiratete er und wohnte dann in Hergiswil NW, zwei Jahre später zog er nach Küssnacht, wo er 1978 eingebürgert wurde und bis zuletzt lebte.
Auch wenn Jals in einer breiten Öffentlichkeit vor allem als Zeitungskarikaturist bekannt war, arbeitete er künstlerisch äusserst vielfältig, was man auch auf seiner Homepage www.jals.ch feststellen kann. Neben Zeichnungen sieht man hochkomplexe, linienbasierte Werke, die mit einfach geformten und kräftig kolorierten Tierbildern kontrastieren. Man sieht Porträts von berühmten Persönlichkeiten, die ganz anders wirken als seine Karikaturen, dann wieder archaische Figuren oder suggestive, wolkenartige Gebilde. Auffällig sind immer wieder die kräftigen Farben.
Jals trat auch mit Ausstellungen oder Büchern in Erscheinung. Zu Letzteren gehörten eigene, aber auch solche, für die er die Illustrationen geliefert hatte. Zum Beispiel für das Buch über Kurt Felix' Versteckte-Kamera-Sendung «Verstehen Sie Spass». Auch Jals verstand Spass. Und als Zeitung sagen wir einfach: «4000 mal danke!».







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