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Kunst

Luz gelingt das Wunder, Restitution aus der Sicht eines Gemäldes zu erzählen

Der Charlie-Hebdo-Zeichner Luz hat die bewegende  Geschichte des Gemäldes «Zwei weibliche Halbakte» in eine geniale Graphic Novel umgesetzt. Dieses «entartete» Bild rührt zu Tränen.
Illustration aus der Graphic Novel «Zwei weibliche Halbakte» von Luz
Bild: Luz/Reprodukt
Illustration aus der Graphic Novel «Zwei weibliche Halbakte» von Luz
Bild: Luz/Reprodukt

Es ist 1999 ein bewegendes Wiedersehen nach Jahrzehnten: Ruth Littmann-Haller, die Tochter des jüdischen Anwalts und Kunstsammlers Ismar Littmann, schaut sich als 82-Jährige das wunderschöne Gemälde «Zwei weibliche Halbakte» von Otto Mueller im Museum Ludwig in Köln an. Jahrzehntelang hat sie für die Rückgabe des geraubten Gemäldes gekämpft, am Ende einigt sie sich mit dem Museum. «Zwei weibliche Halbakte» ist in dieser grossartigen Graphic Novel ein stummer Zeuge eines schrecklichen Jahrhunderts.

Luz, ein Überlebender des Attentats auf «Charlie Hebdo», zeigt uns das Geschehen aus der Sicht des Gemäldes. Ruths Vater hatte sich 1934 unter der Hitler-Diktatur das Leben genommen. Sein Gemälde wurde von den Nazis beschlagnahmt, fast verbrannt, in der Ausstellung «Entartete Kunst» als «pornografisch, widerlich, typisch jüdisch-bolschewistische Kunst» verhöhnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt es als unverkäuflich, kam letztlich in den Besitz des Museums Ludwig.

Luz: Zwei weibliche Halbakte. Aus dem Französischen von Lilian Pithan. Reprodukt. 192 Seiten.

Wir sehen sozusagen mit den offenen Augen des stummen Gemäldes 1919 den Maler und sein Modell im Wald und wie es vom Fahrrad aus Berlin sieht. Es muss stumm den Suizid des Anwalts Littmann und später den mürrisch blickenden Hitler ertragen. Luz gelingt ein kleines Wunder: Restitution aus der Sicht eines Gemäldes zu erzählen.

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