Lucerne Festival

Techno tanzt über Stile hinweg: Diese Band will das KKL zum Dancefloor machen

Elf Musiker, Blasinstrumente statt DJs, und Techno ohne Elektronik: Die Hamburger Band «MEUTE» erweitert das Spektrum des Lucerne Festivals. Und versteht sich doch als Erbin der klassischen Musik.

Elf Spielleute in roten Schabernack-Uniformen machen auf Techno, House und Deep House. Mal sanft und gefühlvoll, mal hart und heftig musizieren sie mit ihren Blas- und Trommelinstrumenten. Diese Männer holen aus ihren Instrumenten Klänge und Rhythmen heraus, die dem Publikum gleichzeitig ans Herz gehen und in die Knochen fahren. So munter geht ein Live-Auftritt der deutschen Techno-Marching-Band «MEUTE» über die Bühne. Sie spielt dieses Jahr erstmals am Lucerne Festival und erweitert damit das musikalische Spektrum markant. Denn wer diese Boys sieht und hört, denkt weniger an den klassischen Musikbetrieb und umso mehr an Anarcho.

Anarcho statt Klassik? Alles falsch!

Alles falsch, glaubt man dem Bandgründer Thomas Burhorn: «Die klassische Musik ist eine unserer wichtigsten Wurzeln. Hätte es Bach, Mozart, Beethoven, Ravel und viele andere nicht gegeben, würde Techno heute anders klingen.» Wobei sein Trompetenspiel an vieles, aber kaum an einen dieser unterschiedlichen Komponisten erinnert. Dazu kommt Burhorns fast schon provokative Lockerheit bei seinen Auftritten. Traditionelle Konventionen scheinen ihn weder musikalisch noch gesellschaftlich zu kümmern. Vor mehr als zehn Jahren gründete er «MEUTE». Nicht etwa in einem angesagten Konzertsaal, versteht sich. Er experimentierte vielmehr mit musikalischen Einlagen auf den Strassen des Hamburger Szeneviertels St. Pauli.

Das war der Anfang von «MEUTE». Heute sind Trommeln und Trompeten, Saxofon, Posaune und Marimba dabei, sei es irgendwo outdoor oder in ihrer famosen Bühnenshow zum Jubiläumsalbum «Jubel», die in Luzern zu sehen sein wird. Die wilden Elf spielen eigene Kompositionen wie das Minimal-Music-Arrangement «Slow Loris», die melodiöse Corona-Ode «LoCKeDoWN2» oder das romantischverspielte Stück «Infinite», eine Reverenz an das heimatliche Hamburg.

«MEUTE» will das KKL in einen Dancefloor verwandeln, wie Burhorn sagt. Auf die Show freue er sich nicht nur aus musikalischen Gründen: «Der Vierwaldstättersee und der Ausblick auf die Alpen öffnen unsere norddeutschen Herzen weit.» Das werde sich bestimmt auch musikalisch niederschlagen – mit noch mehr Drive, als ohnehin schon angesagt ist. Für Fans des klassischen Programms dürfte der Auftritt tatsächlich dennoch ungewohnt wirken. Burhorn selbst sieht allerdings kaum einen Unterschied zwischen seiner Band und einem klassischen Ensemble: «Ausser, dass es bei uns keine Agogik gibt.»

Jeder Ton eine politische Botschaft

Stellt sich die Frage, wie die «MEUTE»‑Leute in Luzern ankommen werden. «Darauf sind wir gespannt wie Flitzebögen», sagt Burhorn. Er meint damit «Pfeilbögen» und fügt an: «Wenn es ist wie bei unseren sonstigen Konzerten, kommen offene Menschen, die Lust haben, an diesem Abend eine ehrliche, friedliche Verbindung miteinander und uns einzugehen.» Wer das offene Luzerner Publikum kennt, weiss, dass nicht viel schieflaufen kann.

Bei aller Lust am Spiel will «MEUTE» mehr bieten als nur Unterhaltung. Sie haben eine politische Botschaft gegen den Rechtsextremismus, die den Musikern wichtig ist. So verbreiten sie ihr Bekenntnis im kontroversen politischen Klima der Bundesrepublik immer wieder mit Verve, wie Burhorn sagt: «Diese Botschaft steckt in jedem einzelnen Ton, den wir spielen. Das liegt uns sehr am Herzen. Wie wir am Weltgeschehen beobachten können, wird unsere Haltung jeden Tag wichtiger.» Sie spürten an ihren Konzerten, dass sie damit nicht allein seien. So könnten sie bei ihrem Kampf «für Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung» stets auf die Unterstützung ihres Publikums zählen. Mit ihren Botschaften bleibt «MEUTE» voraussichtlich auch im KKL nicht allein. Da nämlich verbindet sie ihren eigenwilligen musikalischen Auftritt mit der Aufforderung ans Publikum, tanzend mitzumachen.

Dieser Text erschien erstmals im Festivalmagazin PIÙ. MEUTE spielt am Samstag, 12. September um 21 Uhr im KKL.

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