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Festival

Stars wie Sibylle Berg und «Femmage» an eine Grosse der Innerschweizer Literatur

Das Luzerner Literaturfest Lettera lädt von Freitag bis Sonntag ins Neubad. Mit dabei sind auch Stars Sibylle Berg, Jonas Lüscher oder Peter Stamm. Letzterer in einer nicht ganz gewohnten Rolle.

Gleich zum Auftakt wartet Lettera mit einem Knüller auf. Die extrem erfolgreiche Sibylle Berg, ursprünglich Deutsche und seit 2012 auch Schweizerin, liest aus ihrem aktuellen Roman «PNR – La Bella Vita». Es ist der letzte Teil einer gesellschaftskritischen Trilogie, in welchem die Utopie einer gerechten Gesellschaft Realität wird. Ohne Kapitalismus, ohne Angst und mit einem Europa, das sich selber gefunden hat. Man kann mit Blick auf die aktuelle Weltlage nur darauf hoffen.

Sibylle Berg.
Bild: zvg

Auf einem persönlichen Drama basiert der aktuelle Roman von Jonas Lüscher, der ebenfalls am Freitag auftreten wird. Der in Bern aufgewachsene, in München lebende Doppelbürger lag 2020 mit einer schweren Corona-Erkrankung im Koma. Er überlebte auch dank den an ihn angeschlossenen Maschinen. In «Verzauberte Vorbestimmung», bestehend aus mehreren Geschichten von gestern, heute und morgen, hinterfragt er auch das Verhältnis des Menschen zu Maschinen,

Jonas Lüscher.
Bild: zvg / Peter Hassiepen

Peter Stamm schreibt auch für Kinder

Falls Sie nicht wussten, dass der Ostschweizer Peter Stamm auch für Kinder schreibt, können Sie sich am Samstag davon überzeugen. «Otto von Irgendwas» heisst seine Reihe über die Abenteuer eines Jungen mit Knickerbocker und Monokel, der umgeben von Dienern in einem Schloss lebt. Doch im neuen zweiten Band ist er fast alleine auf dem Schloss. Dafür trifft er Freundinnen und Freunde sowie einen ziemlich suspekten Historiker.

Peter Stamm.
Bild: zvg

Dann wirds quasi kriminell. Am Abend tritt im Rahmen des Zentralschweiz Specials die Schwyzerin Martina Clavadetscher auf. In «Die Schrecken der anderen» spielt sie mit Krimielementen und thematisiert patriarchale Macht und verdrängte Schuld. Zusammen mit dem Luzerner Musiker Remo Helfenstein entsteht eine Text-Sound-Performance.

Martina Clavadetscher.
Bild: zvg

Gertrud Leutenegger wird posthum geehrt

Am abschliessenden Sonntag steht eine Hommage im Zentrum. Oder eine «Femmage», wie es seitens der Festivals heisst. Geehrt wird die im letzten Juni verstorbene Schwyzer Schriftstellerin Gertrud Leutenegger. Und zwar durch die Zürcherin Nora Osagiobare, die 2025 den Roman «Daily Soap» publizierte, sowie den Luzerner Béla Rothenbühler, der 2025 für den Dialektroman «Polifon Pervers» einen Schweizer Literaturpreis gewann. Eingeführt von Sabine Graf und moderiert von Nadia Brügger, reagieren die beiden mit eigenen Texten auf Leuteneggers Prosa und erläutern dann, was deren Werk für sie bedeutet.

Gertrud Leutenegger galt vor allem auch wegen ihres Romandebüts «Vorabend» (1975) als Feministin. Darin schildert eine junge Frau, wie sie  am Vorabend die Route einer Demonstration durch die Strassen Zürichs entlanggeht. Allerdings lassen sich Leuteneggers Figuren oft nicht vereinnahmen für ein kollektives Engagement. Denn Mitlaufen kann jede und jeder. Dafür ist das eigene Unterwegssein, etwa auf Spaziergängen, auch in späteren Werken Basis ihrer Gedanken und ihrer Geschichten.

Die letztes Jahr verstorbene Gertrud Leutenegger wird am Lettera geehrt.
Bild: zvg

«Lettera»: Fr–So, 27.–29. März, im Neubad Luzern. Alle Infos, auch zu den Auftritten weiterer Autorinnen und Autoren sowie zu Aktivitäten und Rahmenprogrammen: www.literaturfest.ch

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