
Die Rusch-Büeblä schreiben Schweizer Musikgeschichte: Als erste Ländlerformation überhaupt füllen sie das Hallenstadion Zürich. Das Konzert vom 20. November 2027 ist seit Samstag restlos ausverkauft. Ein Geschenk zum Schweizer Nationalfeiertag. Das Hallenstadion war bisher den grossen Namen der Pop- und Rockmusik vorbehalten. Noch vor wenigen Jahren hätten sich die Musiker aus Vorderthal/Schwyz kaum vorstellen können, einmal das ganze Hallenstadion zu füllen. Nun ist ihnen dieses Kunststück gelungen – nur einen Monat nach dem Start des Vorverkaufs.
Für die Zwillinge Cyrill und Simon Rusch sowie ihren Vater Roger bedeutet dies der vorläufige Höhepunkt in ihrer zehnjährigen Bandgeschichte. Es ist aber nicht zum ersten Mal, dass die drei Schwyzer im Hallenstadion spielen. Letztes Jahr im November traten sie zusammen mit dem Mundart-Sänger Trauffer auf. Das hat ihnen so gut gefallen, dass die Idee aufkam, es selbst zu versuchen. «Wir hatten zunächst das Gefühl, dass das mit Ländlermusik nicht realistisch ist», erzählt Simon Rusch. Die Idee liess sie aber nicht mehr los, weshalb sie das Risiko eingingen.
Ist das der richtige Weg für Ländlermusik?
«Es ist eine grosse Ehre für uns, vor so vielen Zuschauerinnen und Zuschauern spielen zu dürfen,» erklärt Cirill Rusch dem «Boten der Urschweiz». Zunächst fragten sie sich jedoch, ob das tatsächlich der richtige Weg sei. Schliesslich lebt die Ländlermusik traditionell von der Nähe zum Publikum und entfaltet ihre Wirkung meist im kleinen, intimen Rahmen. Ein beschädigter Ruf hätte für die drei Schwyzer deshalb weit schwerer gewogen als ein finanzieller Misserfolg. Diese Bedenken erwiesen sich jedoch als unbegründet. Ihr Umfeld reagierte durchweg positiv auf die ambitionierten Pläne der Ländlerkapelle.
Mit ihrem Album «Meitli tanz!» gelang den Rusch-Büeblä 2023 der Sprung auf Platz 1 der offiziellen Schweizer Album-Hitparade – ein in der Ländlerszene aussergewöhnlicher Erfolg. Dazu haben sie zwei Swiss Music Awards, eine Prix-Walo-Nomination vorzuweisen. Trotz des grossen Erfolgs wollen die drei ihrer bodenständigen Art treu bleiben. «Wir spielen nächstes Jahr im Hallenstadion – sonst bleibt alles gleich. Auch im kommenden Jahr werden wir genauso viele kleine Auftritte spielen wie bisher», sagt Roger Rusch.
Ländlermusik wird zu Pop
Der Erfolg der Rusch-Büeblä zeigt, dass die Volksmusik heute den Sprung in den Pop-Mainstream geschafft hat. Vor 20 bis 30 Jahren wäre so etwas nicht denkbar gewesen. Doch seither ist viel passiert: Die Popmusik hat sich von der Schweizer Volksmusik inspirieren lassen und die Volksmusikanten wie die Rusch-Büeblä haben sich Popmusik genähert.
Die Rusch-Büeblä spielen zwar Ländlermusik, aber ihr Repertoire funktioniert nicht nur innerhalb der Volksmusikszene. Sie nehmen Pop- und Rocksongs auf und verwandeln sie in ihren eigenen «Ländlerpop». Sie erreichen damit auch Leute, die mit klassischem Ländler bisher wenig anfangen konnten. Die musikalische Sprache ist volkstümlich, aber das Konzert funktioniert als grosses gemeinschaftliches Popereignis.
Authentisch, glaubwürdig und für ein junges Publikum
Cyrill und Simon Rusch sind erst 24. Zusammen mit ihrem Vater Roger bilden sie eine ungewöhnliche Familiengeschichte. Trotz ihres grossen Erfolgs sind sie als Schreiner, Metallbauer und Dachdecker berufstätig. Das erzeugt eine Authentizität, die glaubwürdig macht und beim Publikum ankommt. Es sind keine künstlich produzierten Stars. Gerade für Volksmusikfans ist das enorm wichtig. Die Rusch-Büeblä haben die Ländlermusik aus den Tanzlokalen auf die grösste Konzertbühne der Schweiz geführt – und dabei ein neues, junges Publikum gewonnen.
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