Streit

Juliette Binoche greift französischen Rupert Murdoch an – er reagiert mit Drohung

Über 600 Filmschaffende warnen vor dem rechten Milliardär Vincent Bolloré, einem der wichtigsten Geldgeber des französischen Films. Inzwischen hat Bolloré scharf zurückgeschossen.
Steht sie bald auf einer schwarzen Liste? Schauspielerin Juliette Binoche.
Bild: Christoph Soeder / DPA

Die grössten Dramen, die Filmfestivals zu bieten haben, spielen sich meist abseits der Leinwand ab. So ist es auch dieses Jahr in Cannes. Vergangene Woche, zum Start der Filmfestspiele, erschien in der linken Zeitung «Libération» ein offener Brief, der es in sich hatte – und womöglich weitreichende Folgen fürs französische Kino bedeutet.

Der Text attackiert den französischen Milliardär Vincent Bolloré und prangert dessen wachsenden Einfluss auf die französische Filmindustrie an. Den Brief unterzeichnet haben gut 600 Filmschaffende, darunter die Schauspielerinnen Juliette Binoche und Adèle Haenel sowie der Regisseur Raymond Depardon.

Der von ihnen Angegriffene, Bolloré, gehört zu den reichsten Menschen Frankreichs. Sein Geld hat der 74-Jährige als Grossindustrieller und Investor gemacht. Seit über zwanzig Jahren ist er dabei, sich ein Medienimperium aufzubauen. Ihm gehören Zeitungen, Fernsehsender, Buchverlage.

Weitet sein Imperium kontinuierlich aus: Vincent Bolloré.
Bild: Getty Images

Bolloré selbst bezeichnet sich als «katholisch-konservativ». Über seine Kanäle lässt er Positionen von rechts aussen verbreiten, weshalb er als französischer Rupert Murdoch gilt. Dem als Rassist verurteilten Éric Zemmour ermöglichte er die Präsidentschaftskandidatur.

Der Handlanger droht explizit

Im offenen Brief warnen die Unterzeichnenden davor, dass Bolloré bald beginnen könnte, seine «rechtsextreme Ideologie» auch der Filmproduktion einzuflössen.

Der Milliardär besitzt den TV-Konzern Canal+, der eine Vielzahl der französischen Filme mitproduziert. Im letzten Herbst übernahm Canal+ Anteile einer grossen französischen Kinokette, wobei klar ist, dass Bolloré sie gern gänzlich aufkaufte.

Am Sonntag liess Bolloré über einen Handlanger zurückschiessen. Beim traditionellen «brunch des producteurs» in Cannes sagte Maxime Saada, der Chef von Canal+: «Ich werde nicht mehr mit den Leuten zusammenarbeiten, die diesen offenen Brief unterzeichnet haben – und ich will auch nicht, dass Canal das tut.»

Mit dieser expliziten Drohung schockte Saada die Branche. Sollte eine solche «schwarze Liste» tatsächlich in Kraft treten, löste das kaum vorstellbare Umwälzungen des französischen Kinos aus. Der Präsident der staatlichen Filmförderung, Gaëtan Bruel, beeilte sich denn auch am Montag, Gelassenheit im Streit anzumahnen.

Derweil laufen in der aktuellen Ausgabe des Festivals von Cannes sechs von Canal+ mitproduzierte Filme, weshalb das Logo des Unternehmens oft auf Leinwänden erscheint. Wann immer das nun passiert, so schreibt es das Branchenblatt «Variety», erklingen Buhrufe und Pfiffe aus dem Publikum.

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