«Letzte Ticket» gibt’s wo immer sie auftritt – ausverkauft ist’s, wo sie das Programm «Streuselkuchen» spielt. Die zarte Freche, die der Schweiz gezeigt hat, was Schnauze ist. Berliner Schnauze und Weiber-Schnauze grundsätzlich. Verdientermassen hat Judith Bach dafür nun den renommiertesten deutschsprachigen Kabarettpreis erhalten: Den Salzburger Stier.
Den «Tic» hat sie in den Genen
Judith Bach kennt man nicht? Dann ist ihre vorsätzliche Tarnung perfekt! Dann kennt man sicher die Kunstfigur «Claire alleene», die so heisst, weil sie eben ganz «alleene», also allein auf der Bühne steht. Bekannt geworden als Duo «Luna-Tic» beschreitet Bach seit bald acht Jahren auch den solistischen Weg.
So ganz stimmt allerdings ihr Solo-Sein nicht. On the Road mit dabei sind stets ihr Pianist und ein Klavier, das sie rocken lässt oder mit poetischen Händen bearbeitet. Unverzichtbar ist auch ihre Schulmädchenuniform – hochgeschlossene Bluse, Rock und Krawatte -, sie ist die perfekte Tarnung für einen ausgebufften Hintersinn. Ebenso mit dabei sind die herzerwärmenden Geschichten von «Oma Fritz».
Kaffeklatsch bei Oma Fritz
Die internationale Jury des Salzburger Stiers bezeichnet die Preisträgerin in ihrer Würdigung als «Musikkabarettistin». Das greift zu kurz. Vor allem, wenn Bach von der heiss verehrten Fritz erzählt, erfindet sie das philosophische Chansonette neu.
Diese Oma Fritz gab es tatsächlich. Es ist die wegweisende Person in Bachs Leben zwischen Berlin und Südafrika. Sie war die Takt- und Richtungsgeberin, die Judith gesagt hat: «Mach Dein Ding!» Die Enkelin ist kürzlich über Fritzens Tagebuch gestolpert, als sie zuhause Ordnung zu machen versuchte. Der Anlass aufzuräumen, hört man, soll Bachs anstehende Einbürgerung in der Schweiz gewesen sein.
Netzwerkerin mit Philo-Touch
Suchen, singen, straucheln, so muss man sich die Entstehung ihrer Programme denken. Ausgebildet in der Scuola Dimitri, ist Körpertheater ihr Ding, der Clown als Philosoph ihr Anliegen, und die Musik ist ihr Medium. Und, seitdem Oma Fritz mit Bach mit auf der Bühne steht, ist sie nicht selten sogar die Hauptfigur des Abends.
«Alleene» ist die Bach auch in anderer Hinsicht nicht, und das zeigt das Netzwerk, für das die Schweizer Kleinkunstszene bekannt ist: Die Schauspielerin erarbeitet alle ihre Soli mit demselben, bewährten Vierer.
Paul Steinmann und Cornelia Montani sind zuständig für die Regie, Markus Schönholzer (der letztjährige Preisträger des Salzburger Stier) ist ihr musikalischer Leiter, und der Schaffhauser Pianist Thomas Silvestri löst für sie auf der Bühne jedes musikalische Problem.
Die Bach allerdings live zu erleben, ist gar nicht so einfach. Ihre nächsten Auftritte in Bern, Olten, Wohlen oder Frauenfeld sind längst ausverkauft. Das wird sich auch nach Bekanntgabe des Preises nicht ändern, im Gegenteil. Zu Recht: Claire hat ein grosses Publikum verdient, und dafür auch grössere Säle.
Ein Stück für alle; noch Karten erhältlich für die Vorstellung auf der Bühne am Gleis, Wil, 24. Oktober



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