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Im Kinofilm «Nightborn» wird der Schrecken der Mutterschaft zum Horrortrip

Dieser Kinoschreck ist ein würdiger Nachfolger von «Rosemarys Baby» - mit Rupert Grint, dem nettesten Rotschopf des Kinos als hilflosem Vater.
Am Kinderbettchen wird es blutig: Seidi Haarla und Rupert Grint als frisch gebackene Eltern.
Bild: Praesens Film

Vater, Mutter, Kind – so lautet die Grundformel der glücklichen Kleinfamilie. In «Nightborn», dem Fantasy-Horrorfilm der finnischen Regisseurin Hanna Bergholm, bringt die Geburt des Wonneproppens allerdings vor allem eines: eine schaurige Überraschung.

Bergholm besetzt ihre weibliche Hauptrolle Saga mit der finnischen Schauspielerin Seidi Haarla («Compartment No. 6»). Der Brite Rupert Grint ist als werdender Vater Jon zu sehen. Den meisten dürfte er als Ron Weasley aus der «Harry Potter»-Reihe bekannt sein. Bereits mit elf Jahren begann seine Filmkarriere, die sich über alle acht Verfilmungen der erfolgreichen Buchreihe erstreckte. Es lässt sich kaum leugnen, dass man in Jon immer auch Ron erkennt: den etwas tollpatschigen, aber gutmütigen Zauberlehrling und besten Freund des Titelhelden. Umso rührender ist es, dieser vermeintlich vertrauten Figur dabei zuzusehen, wie sie auf der Leinwand Vater wird.

Und tatsächlich überschneidet sich diese einschneidende Erfahrung auch mit jener von Rupert Grint: «Als ich das Drehbuch gelesen habe, hatte ich gerade erfahren, dass wir ein weiteres Baby bekommen – das hat die Geschichte für mich noch viel erschütternder gemacht.»

Typisches Horror-Szenario im verlassenen Waldhaus

In «Nightborn» ziehen Saga (Seidi Haarla) und Jon (Rupert Grint) von London zurück in die finnische Heimat der werdenden Mutter. In einem verlassenen Waldhaus wollen sie einen Neuanfang wagen und eine Familie gründen. Schon bei dieser Ausgangslage dürfte manchen ein Schauer über den Rücken laufen.

Und ja, Bergholm macht keinen Hehl daraus, dass es sich um einen verwunschenen Wald handelt, in dem das verlassene Holzhäuschen steht. Es soll ein Neuanfang sein. Etwas ungelenk, aber amüsant tanzen die zwei über die staubigen Holzbretter und feiern ihr neues Leben, bevor sie sich aufmachen, den Wald zu erkunden – der seinerseits die Neuankömmlinge längst entdeckt hat.

Der Wald rückt immer näher an das Haus

Mehr noch: In einer unheimlichen Sexszene im Wald scheint bei der Zeugung ihres Babys mehr als nur das Wunder der Natur am Werk zu sein. Als das Kind auf die Welt kommt, durchläuft Saga einen schleichenden Prozess der Entfremdung. Während die anderen die Geburt ihres Sohnes feiern, sieht sie in dem Baby etwas Monströses. Zugleich scheint der Wald immer näher an das Haus heranzurücken. Saga sucht einen Weg, der wahren Natur ihres Kindes gerecht zu werden.

Und was macht der Vater? «Die Figuren befinden sich in völlig unterschiedlichen Filmen», beschreibt Grint seine Rolle. Jon versteht immer weniger, was eigentlich vor sich geht. Auch Seidi Haarla nährt ihre Figur aus eigenen Erfahrungen und beschreibt ihren Prozess sehr emotional: «Ich finde es wichtig, sich an schwierige und herausfordernde Themen heranzuwagen und Tabus rund um Mutterschaft anzusprechen – denn davon gibt es viele.»

Wie Jennifer Lawrence und Robert Pattinson

«Nightborn» ist nicht der erste Film, der sich kreativ, mutig, aber auch verstörend ehrlich mit dem Thema Mutterschaft auseinandersetzt. Zuletzt tat das auch Lynne Ramsays «Die, My Love» mit Jennifer Lawrence und Robert Pattinson, die lustigerweise ebenfalls durchs Wohnzimmer tanzen, um die Leidenschaft ihrer Beziehung zu zelebrieren – bevor sie Eltern wurden. Den deutlichsten inhaltlichen Bezug weist wohl «Mother's Baby» der österreichischen Regisseurin Johanna Moder auf. Aber auch der Schweizer Film «Les Paradis de Diane» des Regieduos Carmen Jaquier und Jan Gassmann lässt sich in diese Reihe einordnen. Der Bogen spannt sich sogar noch weiter durch die Filmgeschichte, bis zu «Rosemary's Baby», Roman Polanskis Psychohorror-Klassiker von 1968.

Nightborn
Bild: Praesens Film

Der kleine Kurra in Bergholms verwunschener Mutterschaftssaga entpuppt sich als würdiger Nachfahre von Polanskis Teufelsbaby. Mit ihrem zweiten Spielfilm bedient Bergholm die Genre-Codes souverän und liefert Horrorfans ein ebenso amüsantes wie atmosphärisches, wenn auch stellenweise etwas berechenbares Vergnügen.

Ihre gelungenste Entscheidung dürfte jedoch das Casting gewesen sein. Rupert Grint überzeugt als ahnungsloser, gutmeinender Vater, der dem wachsenden Schrecken mit einer rührenden Hilflosigkeit begegnet. Und vielleicht musste er auch gar nicht so viel Schauspiel anwenden. Die körperliche Erfahrung des Horrors bleibt der Mutter vorbehalten. Seidi Haarla fasst zusammen: «Horror und Mutterschaft haben eine magische Verbindung.» Mit «Nightborn» reiht sich Bergholm in eine wachsende Riege von Regisseurinnen ein, die das Horrorgenre nutzen, um Mutterschaft neu zu erzählen – und es dabei gehörig aufmischen.

Nightborn, jetzt im Kino

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