Jeder Wunsch birgt eine Hoffnung. Aber nicht jede Hoffnung wird Realität. Auch Bear (Michael Johnston) weiss das nur zu gut. Schon viel zu lange schwärmt der Mittzwanziger heimlich für seine Arbeitskollegin und Jugendfreundin Nikki (Inde Navarrette), ohne dass sie es bemerkt.
In seiner Verzweiflung nutzt Bear den «One Wish Willow», einen kuriosen Scherzartikel mit angeblich magischen Kräften, der die Erfüllung eines Traums verspricht, wenn man im Moment der Aktivierung nur fest genug daran glaubt. Und siehe da: Es funktioniert. Wie von einer fremden Macht gesteuert, ist Nikki plötzlich Feuer und Flamme für den verklemmten Youngster. Doch ihre Zuneigung wirkt bald so brutal übertrieben, abwegig und penetrant, dass Bear alles versucht, um seinen Wunsch rückgängig zu machen - natürlich vergeblich.
Betrachtet man die schmale Prämisse, auf der Curry Barkers Horror-Romanze beruht, losgelöst von seiner Entstehungsschichte und der damit verbundenen Karriere des gerade mal 26-jährigen Regisseurs, kann man sich zurecht wundern, worin ihr Reiz liegt. Die Idee an sich ist wenig originell, und doch sprengt die Low-Budget-Produktion in den USA seit Wochen sämtliche Einspielrekorde an den Kinokassen. Aktuell hat der Film weltweit über 125 Millionen US-Dollar eingespielt. Jetzt läuft «Obsession» auch hierzulande an und alle Prognosen deuten auf eine weitere Maximierung des Erfolgs hin.
Was aber macht dieses Debüt so besonders? Zum einen kann Barker, der bei der Gen Z als Youtuber bekannt ist, von vornherein auf ein garantiertes Publikum vertrauen. Bereits als Teenager wurde Barker im Internet als Sketch-Komiker bekannt, indem er kleine Horror-Comedy-Kurzfilme drehte, die er online veröffentlichte. Auch sein kaum zwanzigjähriger Influencer-Kollege Kane Parsons beweist mit dem Horrorthriller «Backrooms» derzeit, dass man auf diese Weise scheinbar mühelos einen Riesenhit im Kino einfahren kann.
Zum anderen trifft Barker mit seinem Film einen empfindlichen Nerv bei der Generation Z. Denn wenn Liebe in «Besessenheit» umschlägt, wie der Titel suggeriert, wird es schnell gefährlich für alle Beteiligten. Eine der zentralen Fragen, die seine Schreckenssatire stellt, dreht sich darum, wer in dieser verhexten Beziehung eigentlich wen ausnutzt.
Während ihrer ersten gemeinsamen Nacht scheint Nikki für einen Augenblick in ihr altes Ich zurückzuspringen: Mitten im Kuss zuckt sie zusammen und blickt Bear mit blinder Panik in den Augen an. Ihre erzwungenen Gefühle ihm gegenüber werden für den Bruchteil einer Sekunde von der Angst vor Missbrauch und Vergewaltigung überschattet. Es ist eine beunruhigende, unbequeme Szene von bestürzender Intensität.
In ihrer manischen Fixierung auf Bear wird Nikki zur scheinbar perfekten Freundin - nicht nur für Bear. Seine Unsicherheit, seine Ängste und Sehnsüchte spiegeln die Befindlichkeiten vieler Anhänger der «Mannosphäre» wider. Jene Frauenhasser im Netz, die sich eine ideale Partnerin genau so vorstellen: attraktiv, sexy, liebevoll, bedürftig und hingebungsvoll bis zur Selbstzerstörung. Gleichzeitig warnt der Film in seiner humoristischen Überspitzung vor jedem Versuch der gewaltsamen Unterwerfung. «Be careful what you wish for», heisst nicht umsonst ein amerikanisches Sprichwort.
Die Botschaft hinter «Obsession» ist nicht nur deutlicher, sondern auch unterhaltsamer verpackt als in «Backrooms», einer sich allmählich leerlaufenden Parabel über Einsamkeit, die innere Leere und das existenzielle Grauen der modernen Welt. Zwar wirkt auch Barkers verquere Liebesgeschichte auf der grossen Leinwand nicht sonderlich subtil. Doch die Schockmomente sind effektiv platziert und zielen auf ein Ende von Shakespeare-artiger Tragweite, wie man es schliesslich niemandem wünscht.
Ab 25.6. im Kino.




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