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Premiere

Film lüftet das Geheimnis von Betty Bossi – und dürfte zum Kassenschlager werden

«Hallo Betty» fiel bei der Filmförderung zuerst durch, aber bei der Premiere zeigte sich: Die massentaugliche Empanzipationsgeschichte hat das Potenzial zum Hit.
Sarah Spale als Emmi Creola-Maag (die Erfinderin von Betty Bossi) mit Martin Vischer, der den Ehemann spielt. Rechts Regisseur Pierre Monnard.
Bild: Daniel Pochetti

Alle in der Schweiz kennen sie – doch existiert hat sie nie. Betty Bossi, die fiktive Hausfrau, ist seit den 1950er-Jahren eine Ikone der Schweizer Alltagskultur. Nun bekommt sie ihre eigene Geschichte auf der Kinoleinwand. Am Dienstag feierte der Film «Hallo Betty» in Zürich Premiere – 1812 Tage nach der ersten Idee, wie Produzent Peter Reichenbach erzählte.

Nimmt Reichenbach ein Filmprojekt in Angriff, ist der Erfolg fast garantiert («Mein Name ist Eugen», 2006; «Der Verdingbub», 2011; «Platzspitzbaby», 2020). Auf die Idee von «Hallo Betty» kam er allein wegen der Bekanntheit des Namens Betty Bossi. «Ich dachte: Über sie müsste man mal einen Film machen, das wird funktionieren!»

Eine ungewöhnliche «Allianz» steht hinter dem Film

Trotzdem fiel die erste Projekteingabe bei den Kommissionen der Filmförderung durch. Beim zweiten Versuch klappte es. Von den erwähnten 1812 Tagen, die «Hallo Betty» brauchte, machte der Dreh nur 32 Tage aus. Der Rest waren Konzeptarbeit, Sponsorensuche, das Auftreiben von über tausend Kostümen und Requisiten, welche die Ästhetik der 1950er-Jahre wiedergeben. Firmen wie Kuhn-Rikon, Victorinox oder Kambly lieferten originalgetreue Produkte, Grossverteiler Coop gehört zu den Sponsoren.

Erfolgsgaranten: Peter Reichenbach und Anne Walser von C-Films.
Bild:   Daniel Pochetti

Ungewöhnlich: Der Film ist eine Koproduktion des öffentlich-rechtlichen SRF und der privaten CH Media (zu der auch dieses Newsportal gehört). Es steht also schon fast eine «nationale Allianz» hinter dem Film, Coop verteilt bereits Papiersäcke mit «Hallo Betty». Gute Voraussetzungen für einen Kassenschlager. Aber hat der Film auch inhaltlich das Zeug dafür?

Eine Schweizer «Barbie» ist es nicht

Er liefert die Geschichte zu einem derart bekannten Namen, dass man sich fragt: Warum kam niemand früher auf die Idee, sie zu erzählen? Zudem ziehen Drehbuchautor André Küttel und Regisseur Pierre Monnard (beide erfolgreich mit «Platzspitzbaby») die Sache als Feelgood-Stoff auf.

Dabei ist «Hallo Betty» nicht die Schweizer Version von «Barbie» (2023). Es geht dem Film weniger um die erfundene Figur Betty Bossi als um die wahre Geschichte ihrer Erfinderin: der Zürcherin Emmi Creola-Maag (1912-2006).

Sie hat einiges vor: Sarah Spale als Emmi Creola.
Bild: Ascot Elite

Es ist Sarah Spale (auch «Platzspitzbaby»), die die Hauptrolle der Emmi übernimmt. Wir sehen sie als liebevolle Ehefrau und Mutter von drei herzigen Kindern.

Gleichzeitig arbeitet sie als Texterin einer Zürcher Werbeagentur und entwickelt dort 1956 die Idee einer fiktiven Köchin namens Betty Bossi, mit der sich die Speise-Öle eines Agenturkunden bewerben lassen. Bald erscheinen Betty-Bossi-Rezepte als Zeitung. Mit Emmi als Chefredaktorin.

Sie spielen die drei Kinder der «Betty-Bossi-Familie».
Bild: Daniel Pochetti

Der sexistische Gegenwind bläst

Weil sie deswegen zuhause oft fehlt, nimmt sie ihren Ehemann (Martin Vischer) in die Haushaltspflicht. Und weil es die miefigen Fünfziger sind, muss die Heldin auch im sexistischen Gegenwind der Agentur bestehen. Dieser weht vor allem in der Figur eines aaligen Jung-Werbers (Cyril Metzger).

Aber Emmi bleibt beharrlich, sodass die meisten der murrenden Männer irgendwann zur Einsicht gelangen, dass auch Frauen schlau sein und Männer kochen können. «Hallo Betty» erzählt damit vor allem eine Emanzipationsgeschichte.

Manche werden sich an «Die göttliche Ordnung» (2017) erinnert fühlen, Petra Volpes Film zur Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz. Allerdings bleibt «Hallo Betty» im individuellen Schicksal von Emmis letztlich glücklicher Familie verhaftet, und es schwingt Versöhnung mit. Letztlich werden Feministinnen wie auch ein traditionelles Kinopublikum Gefallen an der Verfilmung finden können.

Ines Diacon, die «echte» Tochter der Betty Bossy-Erfinderin, mit Schauspieler Leonardo Nigro.
Bild: Daniel Pochetti

Zwei Schauspieler glänzen besonders

An der Premiere in Zürich war auch Ines Diacon zu Gast, eine der Töchter der richtigen Emmi Creola. Sie sagte, es sei rührend, die eigene Geschichte auf der Leinwand zu sehen. Auch wenn sich nicht alles genau so zugetragen habe, wie es der Film erzähle. Sie habe dem Filmteam aber freie Hand gelassen mit dramaturgischen Einfällen und Ergänzungen.

Von diesen überzeugen nicht alle gleich, und das Tempo könnte teilweise schneller sein. Doch die wie üblich vorzügliche Sarah Spale und insbesondere Ueli Jäggi, der ihren gravitätischen Chef spielt, tragen den Film auch durch weniger pointierte Passagen.

«Hallo Betty» kommt am 20. November in die Kinos.

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