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Preisverleihung

Enttäuschung für DiCaprio und politische Botschaften – so lief die Verleihung der Golden Globes

«One Battle After Another» ist der grosse Gewinner bei den Golden Globes. Nach dem Auftakt von Hollywoods Trophäensaison bleibt es bis zu den Oscars aber weiter spannend.
Zog die Blicke auf dem Roten Teppich auf sich, ging aber leer aus: Jennifer Lawrence.
Bild: Keystone

Der Film «Hamnet» hat in diesem Jahr den Golden Globe als bester Film in der Kategorie Drama gewonnen. In dem am Sonntagabend (Ortszeit) in Beverly Hills ausgezeichneten Werk geht es um die Geschichte von William Shakespeare und seiner Ehefrau Agnes, die mit dem Verlust ihres Sohnes Hamnet ringen.

Müdes Lächeln: Schauspieler Leonardo DiCaprio hatte sich mehr erhofft.
Bild: Keystone

Die Rolle der Agnes übernahm die irische Schauspielerin Jessie Buckley (36), die für ihre Darbietung den Globe als beste Hauptdarstellerin erhielt. Dass sich die Shakespeare-Verfilmung von Chloé Zhao in der Königssparte und damit gegen den Vampir-Horrorfilm «Blood & Sinners» durchsetzte, kam für viele Beobachter überraschend. Dafür konnte «Blood & Sinners» mehrere Auszeichnungen für sich verbuchen, etwa für die beste Filmmusik und den Preis für cineastische und kommerzielle Erfolge.

Die Irin Jessie Buckley wurde als beste Hauptdarstellerin in einem Drama ausgezeichnet.
Bild: Keystone

Ein guter Abend wurde es für die Revoluzzer-Saga «One Battle After Another» von Paul Thomas Anderson, die mit neun Nominierungen ins Rennen gegangen war. Der Actionthriller mit absurden Elementen gewann den Preis für den besten Film in der Komödien-Kategorie. Teyana Taylor, die in dem Film ein Mitglied einer linksradikalen Gruppe spielt, wurde für ihre Rolle als beste Nebendarstellerin geehrt.

Stolze Preisträger: Einige der Beteiligten an One Battle After Another. Von links: Sara Murphy, Teyana Taylor, Paul Thomas Anderson und Chase Infiniti
Bild: Keystone

Grosser Erfolg für Filmemacher Anderson – Enttäuschung für DiCaprio

Filmemacher Anderson bekam für «One Battle After Another» die Preise für die beste Regie und das beste Drehbuch. Damit ist der Regisseur erst der zweite Filmschaffende, dem bei den Globes ein Durchmarsch in den Sparten Film, Regie und Drehbuch gelang. Zuvor hatte dies nur Oliver Stone mit «Born on the Fourth of July» geschafft.

Leonardo DiCaprio, der in «One Battle After Another» die Rolle des abgehalfterten Revolutionärs übernahm und als bester Hauptdarsteller in einer Komödie nominiert war, ging am Sonntagabend indes leer aus. Stattdessen gewann in dieser Sparte Timothée Chalamet für seine Darbietung eines aufstrebenden Tischtennisspielers in «Marty Supreme», der sich über seinen ersten Golden Globe überhaupt freuen konnte. In der Vergangenheit war Chalamet schon für vier Golden Globes nominiert gewesen, aber stets leer ausgegangen.

Timothée Chalamet (30) hat mit seiner fünften Golden-Globe-Nominierung zum ersten Mal die begehrte Trophäe gewonnen.
Bild: Keystone

Wagner Moura sicherte sich den Globe als bester Hauptdarsteller in einem Drama. Überzeugen konnte der 49-jährige Brasilianer mit seiner Rolle in dem Thriller «The Secret Agent», der auch den Preis für den besten nicht-englischsprachigen Film gewann.

Wagner Moura überzeugte mit seiner Rolle in dem Thriller «The Secret Agent».
Bild: Keystone

Byrne: Filmdreh kostete ungefähr 8,50 Dollar

Die australische Schauspielerin Rose Byrne bekam den Globe als beste Hauptdarstellerin in einer Komödie oder einem Musical für ihre Darbietung in der Tragikomödie «If I Had Legs I“d Kick You» von Filmemacherin Mary Bronstein. «Das ist so ein Schock», sagte Byrne in ihrer Dankesrede. «Wir haben diesen Film in 25 Tagen für ungefähr 8,50 Dollar (rund 7,30 Euro) gedreht. Vielen Dank! Das ist ja ein kleiner Film, deshalb ist es eine riesige Sache, hier oben zu stehen.» Sie erzählte auch, dass sich ihre Eltern extra ein Abonnement beim Streamingdienst Paramount+ zugelegt hätten, um die Ausstrahlung der Gala zu schauen.

Rose Byrne hat die beste Darbietung in der Sparte Komödie/Musical geliefert.
Bild: Keystone

Die 83. Trophäen-Gala wurde auch live vom US-Sender CBS ausgestrahlt. Nach Jahren der Skandale und einer anschliessenden Aufarbeitung präsentierten sich die Golden Globes unter Moderatorin Nikki Glaser mit einer prominent besetzten Gala. Zu den Gewinnern zählten auch der Streaming-Erfolg «KPop Demon Hunters» (bester Animationsfilm, bester Song), ein Erfolg für Seth Rogen (bester Hauptdarsteller in einer Comedy-Serie für «The Studio») sowie eine erstmals vergebene Auszeichnung für Podcasts, die an Amy Poehlers «Good Hang» ging.

Mark Ruffalo mit «Be Good»-Pin und Sunrise Coigney.
Bild: Keystone

Bei den Golden Globes begeisterten die Prominenten standesgemäß mit ihren Outfits - und so manche setzten mit kleinen modischen Details ein politisches Zeichen. Mark Ruffalo und etliche andere Stars waren auf dem roten Teppich mit einer Anstecknadel zu sehen, auf der in schwarzer Farbe auf weissem Grund die Worte «BE GOOD» prangten - also «SEI GOOD». Auf anderen Anstecknadeln stand «ICE OUT» - «ICE RAUS».

Renee Nicole Good hiess die 37-jährige Mutter, die am vergangenen Mittwoch in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota von einem Beamten der Einwanderungspolizei ICE erschossen wurde. Seitdem hat es in den USA landesweit Proteste gegeben.

Vorgeschmack auf die Oscars?

Mit dem Globe-Sieg dürften «One Battle After Another» und «Hamnet» nun ihre Oscar-Chancen weiter verbessert haben. Die Abstimmung über die Oscar-Nominierungen beginnt am Montag, gleich nach Globe-Nacht. Mehr als 10'000 Mitglieder gehören der Oscar-Akademie an, damit stimmen deutlich mehr Juroren als bei dem kleinen Globe-Verband mit rund 400 Journalisten und Journalistinnen aus aller Welt ab.

Die Anwärter für Hollywoods höchsten Preis werden am 22. Januar verkündet. Die 98. Oscar-Verleihung soll dann am 15. März über die Bühne gehen. (dpa)

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