Sachbuch

James Bond trägt Fell – warum dieser Polizeihund «Chatte au Briand» mag und spricht

Frank Baumann hat es wieder getan. Sein neustes Buch ist ein tiefgründiger Heiterkeitserfolg. Er bringt darin eine echte Supernase zum Reden.

Tarek hat vier Beine. Bis auf den feinen Unterschied ist er ein normaler Polizist der Zürcher Stadtpolizei. Er bringt Verbrechen zur Anzeige – in der Platz-Position hinter einem geparkten Auto, «wedel-wedel» -, am allerliebsten Cannabis.

Mit vier Beinen bei der Polizei ist «normal» nicht Normalität. Doch die ist in seinem Fall eine Sache der Auslegung. Hinter Tarek steckt ein Kopf, der zu den erfindungsreichsten des Landes gehört: Autor und mehr Frank Baumann. Was er in die Hände nimmt, stellt meistens die Norm auf den Kopf.

Baumanns letzte Rolle war die des Direktors in lustigen Angelegenheiten, das Arosa Humorfestival. Abgesehen davon wäre Radio 24 ohne ihn als erstem Anchorman heute nicht, was es wäre. Und Roger Schawinski womöglich wäre kein lebenslänglicher Pirat. Baumann schrieb allerdings nicht nur Schweizer Radio-, sondern auch Fernsehgeschichte.

Mit seiner Mediensatire «Ventil» hat er in den 1990er Jahren die Oberflächlichkeit von TV-Debatten entlarvt, indem er sie ins Absurde zog. Offiziell wurde «Ventil» als Beschwerdeforum angekündigt, verärgerte Gebührenzahler sollten sich live per Telefon Luft verschaffen dürfen. Doch waren sie einmal in der Leitung erlebten sie das Gegenteil. Baumann erteilte keine Service am Kunden, sondern diesen eine rüde Abkanzelung. Unvorstellbar bis dahin.

Wenn Hunde reden könnten, ihr Übersetzer wäre Frank Baumann

Unvorstellbar bis dahin ist auch sein neustes Buch. Bekannt als Hundeflüsterer  bringt er einen Polizeihund zum Reden. Dass er das mit  seinem eigenen Hund, «Bostitch» vermag, weiss man von gemeinsamen Bühnenprogrammen. Jetzt aber ist es Tarek, ein  Airedale Terrier. Und mit diesem erzählen auch seine Kollegen, allesamt ausgebildete Diensthund: Der Datenträgerfachmann Figaro, ein Parson Russel Terrier oder der hellsehende Hund Che, ein Riesenschnauzer. Und das sind nur zwei unter vielen,

«Tarek, ein Polizeihund packt aus» ist ein Buch, das man, einmal in der Hand, nicht mehr weglegen kann. Ganz egal, ob der eigene Hund mitliest. Ob er dabei wegdämmert oder wie der Mensch mit der Nase am Papier auf die nächste Pointe lauert.

Ganz egal auch, ob man sinnfrei ohne Vierbeiner zu leben genötigt ist, aus welchen bedauernswerten Gründen auch immer: Die Lektüre ist für jede Beziehungsform ein lebenserhellender Genuss, weil eine Einführung in die Seele von Mitgeschöpfen.

Tarek als Welpe, Tarek beim ersten Einsatztest, Tarek und der «Franzose». So heisst der wattierte Anzug, den der Hundeführer Gandi, bürgerlicher Name Feldweibel Fabio Gandolfi, für das Beisstraining einsetzt. Es muss gebissen werden, Ziel ist die «Fluchtvereitelung», der Hund muss in der Lage und Willens sein, eine flüchtende Person zu stoppen.

Sollen Hunde fernsehen? Und, darf man sie eigentlich essen?

Tarek auf der Spur wird ganz nebenbei Sinniges verhandelt. Ob ein Hund fernsehen soll, beziehungsweise kann. Weshalb John Wayne einen Airedale Terrier hielt – und, nichts für empfindliche Mägen, doch mit Biss: Ob man Hunde essen soll.

Es hat liebevolle Tiefe und öffnet einen Erfahrungsschatz, was Baumann über Hund und Mensch erzählt. Ernsthaft ist das und das Tier bei seiner Würde und seinem Recht genommen. Und wie beim Menschen ist nicht die Arbeit das Zentrum alles Glücks, sondern das Schlafen und Essen.

«Chatte au Briand» soll die Leibspeise von Baumann «Bostitch» gewesen sein. Das ist das Stichwort: Wie steckt hinter der Katzenfeindlichkeit der meisten Hunde? Tarek gibt die Antwort: Es sind die Katzen, die mit dem kulturellen Unterschied zwischen den Beiden ein Problem hätten. Eine Welt nur aus Hunden und Menschen wünscht er sich. Man kann ihn gut verstehen.

Ein Polizeihund packt aus. Frank Baumann, Wörterseh-Verlag 2026.

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