Ihre Musik soll «überwältigen und verwirren, einen mitreissen und einem mitten ins Gesicht schlagen». Kein Wunder also, beginnt die neue EP der Luzerner Band Film 2 mit einem Song namens «Faust»: Trommelwirbel, Gitarren-Feedback, das Schlagzeug prescht voran.
Nach der Dampfzentrale Bern und dem Helsinki Zürich kommen die drei ins Neubad, in den Klub selbstverständlich. Ihre neue Musik ist für den Liveauftritt gemacht, fährt in die Knochen, macht etwas mit einem. Seit 2017 machen Elischa Heller (Gesang, Gitarre), Elias Bieri (Bass) und Jonas Albrecht (Schlagzeug) zusammen als Film 2 Musik. Alle drei im Luzerner Hinterland aufgewachsen, kennen sie sich seit der Jugend.

Elischa Heller lebt mittlerweile in Zürich und ist etwa auch Teil der hervorragenden Metal- und Harcore-Band Beurre, die 2024 am alternativen Luzerner Musikfestival B-Sides aufgetreten ist. Nach dem Konzert fühlte man sich erschöpft, aber auch irgendwie ein bisschen leichter. Die gleiche Wirkung strebt Film 2 an.
Mit seinem Soloprojekt war Heller schon am B-Sides, wie auch Jonas Albrecht. Mit Film 2 ebenfalls – und an der Bad-Bonn-Kilbi in Düdingen, so etwas wie der Ritterschlag für eine Band aus dem alternativen Musikspektrum. Beurre und Albrecht mit seinem «Schrei nicht so Orkestra» waren letztes Jahr beide eingeladen.
Man bezahlt so viel, wie man will
Beschreiben lässt sich die Musik von Film 2 als Fusion von psychedelischem Krautrock und Hardcore. Pulsierende Rhythmen, ein sehr körperlicher Bass und nervöse Gitarren sollen einen tranceartigen, kathartischen Zustand erzeugen. «Dark sensual krautrock» nennen sie das.
Nachdem sie für den 40-minütigen Albumtrack «Sorge*» (2023) eine beinahe meditative Langform gewählt haben, präsentiert die Band mit der am 18. September erschienenen EP «ok sibs let's scramble this up» fünf radikal kurze, verdichtete und körperliche Stücke – zwei davon unter einer Laufzeit von zwei Minuten. Es geht also wieder zurück zu schnell, gradlinig, hart, aber: In «Industrial Stars» berühren sie die Klangwelt von Childish Gambino, Heller singt hoch und hell, «Innen» ist schon fast Indie-Rock, und das englischsprachige Autotune-Stück «Indnsdl» mit durchgehendem Riff verhältnismässig ruhig und langsam – wie der Break in «Singen».
Sie unterlaufen die Erwartungen an ein Trio in klassischer Besetzung. Wie auch mit den wenigen Lyrics, die oft mehrdeutig sind. Hellers Gesang nimmt dabei fast die Rolle eines Instruments ein, trägt zu Wiederholung und Verdichtung bei. Film 2 denkt über die Gesellschaft nach, ist auch wütend, und liefert den Soundtrack, um dagegen anzutanzen – in einer Gemeinschaft. Sich finden in der Trance, aber auch aus sich hinaustreten.
Ihre Musik findet man nicht auf Spotify, zumindest nicht die neuste, sondern auf ihrer Webseite www.unbewusst.love. Für den Download bezahlt man so viel, wie man will. Und sie bieten eine Alternative zur digitalen Version an: eine Kassette. Der Pre-Order-Link funktioniert nicht mehr, aber im Neubad werden sie wohl welche dabeihaben. (reg)
Film 2, EP: «ok sibs let's scramble this up», live: Donnerstag, 15. Oktober, 20 Uhr, Klub, Neubad, Luzern; weitere Infos: www.unbewusst.love/.


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