
Hohe Wangenknochen, lange Nase, volle Lippen und ein markantes Kinn: Die Gesichtszüge des Pharaos Echnaton stechen heraus unter den Darstellungen der altägyptischen Könige. Doch ob der Mann Nofretetes tatsächlich so aussah, wie die Skulpturen nahelegen, oder diese lediglich Ausdruck eines damals revolutionären Kunstverständnisses sind, ist unklar.
Für eine naturalistische Darstellung könnte jedenfalls ein Foto des ägyptischen Influencers Youssef Mohamed sprechen, das in den sozialen Medien die Runde macht.
Der 23-jährige Jurastudent hat sich neben einer Echnaton-Büste im Grossen Ägyptischen Museum fotografieren lassen. Die Institution in der Nähe der Pyramiden von Gizeh wurde erst anfangs November eröffnet und ist mit rund 100'000 Artefakten eines der grössten archäologischen Museen der Welt.
Mohameds Ähnlichkeit zum ägyptischen Herrscher ist verblüffend. Beiträge dazu auf seinen Social-Media-Kanälen wurden in den vergangenen Wochen millionenfach angeschaut.
«Ich hatte das nicht erwartet», sagt Mohamed der Deutschen Presse-Agentur. Bevor er zum Drehen von Social-Media-Beiträgen in das Museum kam, habe er von seiner Ähnlichkeit zu dem legendären Pharao nichts geahnt. Doch die Reaktionen auf das Foto seien eindeutig gewesen. «Die Leute haben geschrieben, ich sei klar ein Nachfahre der Pharaonen. Dafür brauche es keinen DNA-Test mehr», sagt Mohamed.
Der «Enkelsohn von Echnaton»
Er freut sich über den Vergleich. «Es macht mich stolz, dass ich aussehe wie jemand aus unserer Geschichte. Die Leute nennen mich jetzt den Enkelsohn von Echnaton. Das macht mich stolz und glücklich.» Gleichzeitig ist er dankbar für den zusätzlichen Ruhm, der dem Influencer zusätzliche Bekanntheit verschafft. Während er vor der Echnaton-Büste steht, sprechen ihn zwei Jugendliche an und bitten um Selfies.
Über die Geschichte Echnatons, der versuchte, den Vielgötterglauben der Ägypter durch die Anbetung einer einzigen Gottheit, der Sonnenscheibe, zu ersetzen, weiss Mohamed gut Bescheid. Er weiss auch, dass die bekannteste Büste der Nofretete in Berlin aufbewahrt wird. Menschen wie der ehemalige Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, fordern schon länger eine Rückgabe der Büste durch das Neue Museum Berlin. Mohamed sagt dazu mit einem Augenzwinkern: «Mein Großvater Echnaton ist traurig, weil seine Frau nicht hier ist.»
19'000 Besucherinnen und Besucher pro Tag
Mohamed glaubt, dass seine viralen Social-Media-Posts das Interesse an der altägyptischen Geschichte und dem neuen Museum gerade bei jungen Leuten weiter anheizen werden. Viele schicken ihm Bilder von sich selbst mit der Büste, berichtet er.
Das Anfang November eröffnete Museum, dessen Hauptattraktionen der Grabschatz von Pharao Tutanchamun und die Sonnenbarke von Pharao Cheops sind, stösst nicht nur bei Touristen auf grosses Interesse. Die ägyptische Zeitung «Al-Masri al-Youm» schrieb von einem regelrechten Museumsfieber, das die Ägypter erfasst habe. Zwei Wochen nach der Eröffnung waren im Durchschnitt 19'000 Besucher pro Tag gezählt worden. Die Museumsleitung führte daraufhin Zeitfenster für Online-Tickets ein und stoppte bis auf Weiteres den Kartenverkauf vor Ort.
Sollten sich die bisherigen Besucherzahlen ganzjährig verstetigen, ist das Grosse Ägyptische Museum auf Kurs eines der meistbesuchten Museen der Welt zu werden. Nur der Louvre in Paris und das Chinesische Nationalmuseum in Peking hatten offiziellen Angaben zufolge im vergangenen Jahr einen höheren Besucherdurchschnitt. (dpa)
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