100. Geburtstag

Selbst Taylor Swift bezieht sich auf diese Schweizer Pionierin

Die weltberühmte Schweizer Forscherin Elisabeth Kübler-Ross veränderte unseren Umgang mit dem Sterben und Trauern grundlegend. Nur mit ihrem eigenen Tod tat sie sich schwer.
Glaubte an ein Leben nach dem Tod: Elisabeth Kübler-Ross  (1926 - 2004).
Bild: Lynn Gilbert/Getty

Sie entwickelte ein Gegenprogramm zur Technologiegläubigkeit in der Medizin: Die Schweizer Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross, die heute vor 100 Jahren in Zürich auf die Welt kam, veröffentlichte 1969 ihr Buch «Interviews mit Sterbenden», mit dem sie berühmt wurde und die moderne Palliativpflege, Sterbebegleitung und Hospiz-Care entscheidend mitprägte.

Für sie war das Sterben kein medizinisches Randproblem, sondern ein zentraler Bestandteil des Lebens und damit essenziell für die medizinische Forschung. In den späten 1960er-Jahren setzte man jedoch voll auf technologische Innovationen und neue Medikamente. Auch Intensivmedizin und Transplantationen waren Forschungsschwerpunkte. Besonders in den USA verbreitete sich eine Euphorie, als lasse sich bald alles heilen und vielleicht sogar der Tod überwinden.

In US-Kliniken wurden Todkranke ausgegrenzt

Doch für die Menschen, die tatsächlich unheilbar krank und «austherapiert» waren, interessierten sich die technokratischen Elitemediziner kaum. Gegen diese Ignoranz wehrte sich Kübler-Ross. Sie zog 1958 in die USA und beobachtete schockiert, wie in US-Kliniken todkranke Patientinnen und Patienten in abgelegenen Räumen untergebracht wurden, «als wäre der Tod ansteckend».

Erst stiess ihr Projekt, sich dem Sterbeprozess durch Gespräche mit den Todkranken anzunähern, auf Widerstand. Nicht nur Ärzte bekämpften sie, sondern auch religiöse Fanatiker. Einmal wurde gar ihr Haus angezündet, weil sie sich mit Aidskranken abgab.

Für Schwerkranke war es eine enorme Erleichterung, dass es eine Forscherin gab, die sie nicht ausgrenzte, sondern ihnen zuhörte. Sie konnten mit ihr offen über die grösste Angst des Menschen, jene vor dem Sterben, sprechen.

Fünf Phasen des Sterbens und Trauerns

Aus den Gesprächen kristallisierten sich für Kübler-Ross fünf Phasen des Sterbens und Trauerns heraus, die im Grunde für jede schwere Krisenbewältigung gelten: Verleugnen, Wut, Verhandeln, Depression, Annahme.

Auch wenn das Fünf-Phasen-Modell heute in der Medizin kaum noch eine Rolle spielt, ist es unglaublich populär geworden und selbst in die Popkultur eingeflossen: 2024, als Taylor Swift noch nicht in Hochzeitslaune war, veröffentlichte sie in Anlehnung an Kübler-Ross Playlists für fünf Phasen von Trauer bei Liebeskummer.

In späteren Jahren spezialisierte sich Kübler-Ross auf Grenzbereiche zwischen Wissenschaft und Spiritualität. Sie wollte dem Phänomen des Todes immer näher kommen und behauptete, der Tod sei nicht das Ende. Bewusstsein und Seele würden weiterexistieren. Zwar forschen inzwischen auch wichtige Universitäten über Nahtoderfahrungen, aber die Forschung scheut Ausflüge ins Esoterische, wie sie Kübler-Ross unternahm, die bedenkenlos von Begegnungen «drüben», Geistheilungen und dem Leben nach dem Tod schrieb.

Elisabeth Kübler-Ross, die unzählige Menschen dazu brachte, dem Tod ins Gesicht zu sehen, tat sich schwer mit dem eigenen und wollte partout nicht loslassen. Dem Schweizer Filmemacher Stefan Haupt, der ein unvergessliches Porträt über sie drehte, verriet sie, sie wolle nicht gehen, bevor sie erleuchtet sei.

Aus Anlass des 100. Geburtstags am Mittwoch, 8. Juli, zeigt das Lunchkino Le Paris Zürich unter Anwesenheit des Regisseurs Stefan Haupt den Film «Elisabeth Kübler-Ross: Dem Tod ins Gesicht sehen».

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