
In Südafrika spielt Musik eine zentrale Rolle. Über welche politische Kraft die Musik verfügt, wusste auch das Apartheid-Regime. Deshalb war es Schwarzen in den schlimmsten Phasen des Unrechtsregimes verboten, laut zu singen, Lieder aufzunehmen oder Musikaufnahmen zu besitzen. Musiker wie der Jazz-Pianist Dollar Brand standen unter Generalverdacht, Jazz galt als Musik des Widerstands. Clubs wurden geschlossen, Musiker waren Schikanen ausgesetzt.
Als das grosse Symbol des Widerstandes, Nelson Mandela, 1962 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, verliess Dollar Brand gemeinsam mit seiner damaligen Frau, der Sängerin Sathima Bea Benjamin, seine südafrikanische Heimat - aus Angst vor der zunehmenden Repression
Ihre erste Station im Exil war die Schweiz. Drei Jahre lebte er in Zürich und trat im legendären Club «Africana» im Niederdorf auf, wo sich zu jener Zeit die Studenten und die intellektuelle Jugend trafen. Als Benjamin 1963 erfuhr, dass Duke Ellington in der Stadt ist, suchte sie ihn auf und überredete ihn, am Abend an ihr Konzert zu kommen. Der «Duke» war von Dollar Brand begeistert. Vier Tage später nahm der Pianist in den Barclay Studios in Paris das erste Album für Ellingtons Label auf: «Duke Ellington Presents the Dollar Brand Trio». Es war der Beginn von Dollar Brands Weltkarriere.
Er spielte in Ellingtons Orchester, gründet eigene Bands und begann mit Solo-Konzerten. Gleichzeitig setzte er im Exil mit anderen südafrikanischen Musikern seine politischen Aktivitäten gegen das Unrechts-Regime fort. Zu einem Lied des Widerstands gegen die Apartheid wurde das 14-minütige Stück «Mannenberg» von 1974.
Dollar Brand war von Thelonious Monk, Randy Weston und Duke Ellington beeinflusst und integrierte in seine Version des Jazz musikalische Elemente aus seiner Heimat. Hymnische Melodien, die an die grosse Chor-Tradition seiner Heimat erinnern, aber auch einfache rhythmische Muster, die durch Wiederholung eine tranceartige Wirkung hervorrufen. Für die Schweizer Pianistin Irene Schweizer war Dollar Brand ein wichtiger Einfluss.
Dollar Brand litt im Exil, an der Trennung von seiner Heimat und seinen Wurzeln. 1968 konvertierte er zum Islam und nannte sich nur noch Abdullah Ibrahim. Bis zuletzt galt er als einer der wichtigsten Vertreter des südafrikanischen Jazz. Frieden und der gewaltlose Kampf gegen die Apartheid waren seine Mission.
Musik als heilende Kraft
In seiner Musik betonte er das Spirituelle. Er selbst bezeichnete sich nicht als Musiker, sondern als Medizinmann. «Musik ist eine heilende Kraft. Ich sehe mich nicht als Komponisten oder Pianisten. Ich verteile Medizin», sagte er. 1992, zwei Jahre nach der Freilassung von Nelson Mandela, kehrte er nach Südafrika zurück und pendelte zwischen Südafrika, den USA und Europa. Zuletzt lebte er im bayerischen Prien am Chiemsee, wo er am 15. Juni im Alter von 91 Jahren starb. Bis zuletzt fühlte er sich mit seine Heimat Südafrika tief verbunden.
Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.