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Nachruf

Der Schweizer Dokumentarfilmer Richard Dindo ist 80-jährig gestorben

Er liebte die Unruhigen und Revoltierenden im Land. Über sie hat er über 40 faszinierende Filme gedreht.
Grosser Schweizer Dokumentarfilmer: Richard Dindo ist gestorben.
Bild: zvg

Der 1944 als Sohn einer italienischen Arbeiterfamilie in Zürich geborene Richard Dindo hat immer die Underdogs und Widerspenstigen im Blick gehabt. Er sah sich als «Erinnerungsarbeiter».

Sein erster längerer Film widmete er 1973 den Schweizern im Spanischen Bürgerkrieg, die im eigenen Land lange auf harten Widerstand stiessen, obwohl sie in Spanien die Demokratie verteidigen wollten. Es gelang ihm, das gängige Feindbild, unter dem sie litten, zu korrigieren.

Selbst der Bundesrat empörte sich über Dindo

Stark beachtet wurde sein wenige Jahre später realisierter Film «Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.» nach dem gleichnamigen Buch von Niklaus Meienberg. Er stellte dar, wie kleine Fische mit dem Leben bezahlten und zeigte die Klassenjustiz auf, die sich dahinter verbarg. Der Film schlug hohe Wellen und empörte selbst den Bundesrat.

Der von den 68er-Ereignissen politisch geprägte und lange in Paris lebende Dindo arbeitete gern mit Schriftstellern zusammen und griff auf literarische Werke zurück. Ein Vorbild war für ihn Max Frisch, dessen Werke er verschiedentlich verfilmte. Er hatte Frisch schon 1965 kennengelernt. Bekannt ist vor allem seine eigenwillige Annäherung an Frischs Buch «Montauk» und seine Tagebücher. Daraus entstand der Film «Max Frisch, Journal I-III».

Denkmal für die Protagonisten der Zürcher Unruhen

Aber auch über Jean Genet, Arthur Rimbaud oder den Schweizer Filmemacher Max Haufler oder die Maler Matisse und Gauguin gelangen ihm prägnante biografische Filmrecherchen. Unvergesslich, weil sehr authentisch ist auch sein Film über vier Protagonisten der Zürcher Jugendbewegung um 1980, denen er in «Dani, Michi, Renato und Max» ein unvergessliches Denkmal schuf. Eindrücklich auch seine Auseinandersetzung mit dem Flüchtlingshelfer Paul Grüninger.

Dindo galt immer als politischer Filmer, der klare Stellungnahmen provozierte, aber er hat sich immer mehr gewehrt, einzig in die politische Ecke gestellt zu werden. Bleiben wird er eher wegen seiner subtilen filmischen Porträts, in denen er Menschen, nicht politische Abziehbilder darstellt.

Das lässt sich sogar von seinem anfechtbaren Film über den kubanischen Revolutionär Che Guevara sagen. Wie Alexander J. Seiler hat Richard Dindo den Schweizer Dokumentarfilm wesentlich mitgeprägt und ihm zu dem Ansehen verholfen, das er heute geniesst.

Am 12. Februar ist Richard Dindo 80-jährig in Paris gestorben.

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