
Vielleicht liegt es daran, dass so manche viel zu jung waren, als sie Anfang der 90er-Jahre die Miniserie «It» gesehen haben. Denn Tim Curry verkörperte den Horror-Clown aus Stephen Kings Geschichte so überzeugend, dass viele wochenlang Albträume hatten.
Genau das erzählen nach seinem Tod nun tonnenweise Fans auf Social Media. Offensichtlich sahen es Eltern schon damals noch nicht so eng mit der Bildschirmzeit.
Dank ihm wurden selbst Flops zu Kult
Curry spielte seine Rollen stets mit einer Inbrunst und Leidenschaft, die die Zuschauer fesselte. Oder eben auch verängstigte. Denn er spielte die schrägen Typen, absurden Charaktere und fiese Bösewichte meisterhaft.
Mit 27 Jahren krachte er 1975 geradezu in die Filmwelt und spielte in der «Rocky Horror Picture Show» Dr. Frank N. Furter, einen – Achtung! – «süssen Transvestiten» aus Transsilvanien. Der Film floppte zwar, doch das bremste Curry in keiner Weise.

Längst nicht alle Filme waren Blockbuster, aber dennoch ein Meisterwerk der Verwandlung. «Selbst, wenn Kritiker nur einen Stern verleihen, war er der Grund für diesen einen Stern», schreibt ein Fan in einem Kommentar.
Der Engländer war mit Haut und Haaren Schauspieler. Ob als teuflischer Fürst der Finsternis in «Legenden» oder versnobter Hotelangestellter in «Kevin – Allein in New York». Auch da war das diabolische Grinsen wieder zu sehen.

Dabei konnte Curry auch richtig lustig sein. So gab er selbst im Muppets-Film «Die Schatzinsel» alles. Heute gilt das als eines der besten Muppet-Werke – auch, weil Curry sich nicht im Geringsten davon stören liess, dass seine Co-Stars Puppen waren. Stattdessen wurde er einer von ihnen.
Beruflich grenzenlos, privat fest verschlossen
Tim Curry gab immer 110 Prozent, egal ob in grossen Produktionen, in Indie-Filmen oder auf der Bühne. Doch wenn es um sein Privatleben ging, war er das pure Gegenteil: Er gab keinen Mucks preis, weder über Beziehungen noch über seine Sexualität.
Bereits 1975 sagte er in einem Interview: «Ich rede nicht darüber, mit wem ich ins Bett gehe oder ob ich verliebt bin. Für mich ist das von grösster Bedeutung, für Ihre Leser jedoch kaum von Interesse. Und wenn es sie doch interessiert – dann können sie mich mal.»
Nur einmal sprach er über eine verflossene Liebe. «Miss Piggy. Ich sage euch, wer einmal Schweinefleisch hatte, will nie wieder etwas anderes», scherzte er.
Tim Currys grosses Vermächtnis
2012 erlitt der Engländer einen Schlaganfall, der ihn in seiner Bewegung und Sprache einschränkte. Doch selbst das hielt ihn nicht auf. Er arbeitete weiterhin als Sprecher, wie er es schon zuvor getan hatte.

Denn Curry war auch in Animationsfilmen ein Star und lieh hunderten Figuren seine Stimme. Auch in «Fern Gully – Christa und Zaks Abenteuer im Regenwald», wo er das Öl-Monster Hexxor sprach. Und erneut verlieh er der Rolle einen Charme, dem man sich kaum entziehen konnte.
Auch Gamer trauern um den Schauspieler und erinnern sich an seine Pionierleistung als einer der ersten Promis, die in Computerspielen mitwirkten. 1993 sagte er, er fände es «sehr aufregend», da er «jede neue Möglichkeit begrüsst, in eure Köpfe einzudringen».
Nun ist dieser vor Extravaganz sprühende Künstler gestorben. Zuvor wurde er für einmal doch noch ein bisschen persönlich. «Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich versuche, ihm auszuweichen, wie wir es alle tun», sagte er im vergangenen Jahr. Doch auch wenn er ihm «nicht entgegen galoppiert», werde er ihn wohl willkommen heissen.

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