«Sound of 2025» ist die wichtigste Trend-Prognose für internationale Popmusik. Die von Radio BBC 1 nominierten Acts waren über Jahre eine Ansammlung von Geheimtipps, die die Zukunft der Popmusik prägen sollten. Viele der ehemaligen Sieger wie Adele, 50 Cent, Keane, Mika, Ellie Goulding, Jessie J oder Sam Smith wurden denn auch zu grossen Popstars. Zuletzt wurde die famose englische Frauenband The Last Dinner Party gekürt, der im letzten Jahr prompt auch der internationale Durchbruch gelang.
Diesmal waren aber viele der Nominierten keine eigentlichen Geheimtipps mehr. Die 26-jährige, amerikanische Siegerin Chappell Roan hat den internationalen Durchbruch schon im letzten Jahr mit dem Debütalbum «The Rise and Fall of a Midwest Princess» geschafft. Mit ihrem exzentrischen Art-Pop, der grossen Wert auf das Visuelle legt, erreichte sie in Grossbritannien sowie in den USA die Spitze der Charts und ist für die anstehenden Grammy Awards, die am 3. Februar verliehen werden, dreimal nominiert. Auf der Liste für den «Sound of 2025» war sie denn auch die grosse Favoritin und insofern die einzig logische Siegerin.
Jazzband Ezra Collective mitten in der Pop-Liste
Auch die zweitplatzierte Band Ezra Collective ist nicht unbekannt. Die Band um das Brüderpaar TJ (Bass) und Femi Koleoso (Schlagzeug) sowie den grandiosen Keyboarder Joe Armon-Jones wurde schon 2016 gegründet und wird seit Jahren hoch gehandelt. 2023 gewann sie zum Beispiel bereits den renommierten «Mercury Prize» für das innovativste Album. Die eigentliche Überraschung ist eher, dass es sich beim Ezra Collective um eine Jazzband handelt, die sich wie viele andere Jazzbands aus London einem groovenden, tanzbaren Jazz verschrieben hat.
Auswahlverfahren dem Markt angepasst
Tatsächlich hat die BBC ihr Auswahlverfahren für den «Sound of 2025» angepasst und die Definition von «aufstrebend» neuerdings breiter gefasst. Der Radiosender begründete die Änderung mit der Tatsache, dass sich die Musiklandschaft aufgrund von Social Media und Streaming-Plattformen schneller entwickelt und Künstler heute oft schon eine beachtliche Fangemeinde aufbauen können, bevor sie den Pop-Mainstream erreichen. Nominiert wurden in diesem Jahr deshalb Musikerinnen und Musiker, die bereits das Potenzial zeigten, 2025 und darüber hinaus eine zentrale Rolle in der Musikszene zu spielen. Wirkliche Geheimtipps und Entdeckungen gibt es leider nicht mehr.
Auch die anderen Acts der Top 5 sind bereits etabliert. Der drittplatzierte schottische Produzent und DJ Barry Can’t Swim mischt elektronische House-Klänge mit Einflüssen aus Afrobeat oder Jazz und füllt bei seinen Auftritten in Grossbritannien schon grosse Hallen. Der englische Singer-Songwriter Myles Smith (Platz 4), dessen Musik stark an Ed Sheeran erinnert, hatte mit «Stargazing» schon einen Welthit. Und die fünftplatzierte englische Rockband English Teacher hat im letzten Jahr mit ihrem Debütalbum «This Could Be Texas» den Mercury Prize ebenfalls schon gewonnen.

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