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Filmfestival

Das Bergwelten Filmfestival in Stans ist das erste seiner Art in der Schweiz – doch was ist überhaupt ein Bergfilmfestival?

Das Bergwelten Filmfestival in Stans will Reflexionsort für die kulturelle Identität der Alpen- und Bergregion sein und für Umweltthemen sensibilisieren. Vom 29. Mai bis 2. Juni findet es zum zweiten Mal statt.
«Among The Wolves» – ein Jahr lang unter den Wölfen.
Bild: Filmstill: zvg

Ein junger Mann lebt als Schafhirt in den Hautes-Alpes in archaischer Eintracht mit den Tieren und Bergen und kämpft gegen unsichtbare Gegner. Der französische Dokumentarfilm «Un pasteur» zählt zu den Programmhöhepunkten und hat gerade am ältesten Bergfilmfestival der Welt, dem Trento Film Festival, den Hauptpreis gewonnen.

Weitere Highlights sind die Weltpremiere des Films «Altitudes» über ganz gewöhnliche Menschen, verbunden durch die Liebe zur Höhe, oder die französisch-belgische Produktion «Among The Wolves». Das Regie-Duo hat während eines Jahres das Leben eines Rudels wilder Wölfe mit der Kamera festgehalten. An den Solothurner Filmtagen Weltpremiere feierte «Der Wert der Dinge», der sich mit der Frage beschäftigt, wie sich das Leben nachhaltiger gestalten lässt.

Was ist ein Bergfilmfestival?

An einem Bergfilmfestival werden Dokumentar- und Spielfilme rund um das Thema Berg gezeigt. Und es werden Bergfilme ausgezeichnet. Das Trento Film Festival gibt es seit 1952. Es ist das älteste internationale Filmfestival, das sich den Bergen, dem Abenteuer und dem Erkunden widmet. Eine Randnotiz: Auch der Skifilm gehört zum Genre Bergfilm.
Die Stadt Trient liegt umgeben von Bergen im Südtirol. In Deutschland gibt es seit 2003 das Bergfilmfestival in Tegernsee; in Österreich das Berg- und Abenteuerfilmfestival Graz und das Bergfilmfestival Salzburg.
Genauer werden an solchen Festivals neben Spielfilmen auch Kurzfilme und Dokumentationen präsentiert, die sich mit Natur, Sport und Kultur in den Bergen befassen. Dementsprechend ist auch das Programm des Bergwelten Filmfestivals in verschiedene Kategorien eingeteilt. Für die internationalen Wettbewerbssektionen wurden lange Filme aus verschiedenen Bergregionen der Erde («Berg und Tal») und solche mit thematischem Fokus auf Natur und Umwelt sowie kurze zu den Themen Bergregionen, Gesellschaft, Natur und Umwelt ausgewählt. Es gibt je eine Jury für die langen und die kurzen Filme, die sich aus regionalen Film- und Kulturschaffenden zusammensetzen. Daneben gibt es die Kategorien «Kids und Family» sowie «Outdoor Experience» zu den Themen Extremsport, Outdoor und Abenteuer. Ebenso gehören zu einem Filmfestival auch Premieren und Specials sowie ein Rahmenprogramm.
Dass in der Sektion «History» heuer unter anderem «Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, dass wir da sind» des Nidwaldners Fredi M. Murer im Programm ist, verortet das noch junge Festival in der Geschichte des Genres, steht doch Murers Werk aus dem Jahr 1974 – wie etwa auch «Das Erbe der Bergler» (2006) des Zugers Erich Langjahr – für die Fortschreibung des Bergfilms als dokumentarische Auseinandersetzung mit einer Kultur der Bergräume. So wie Fredi M. Murers «Höhenfeuer» und Xavier Kollers «Der schwarze Tanner» Beispiele für den neuen Heimatfilm sind, der mit der Romantisierung des Heimatfilms der Kriegs- und Nachkriegsjahre brach. (reg)

Zahlreiche Filmschaffende stellen ihr Werk persönlich vor. Ein Rahmenprogramm mit Expertenrunden zu Umwelt- und Bergthemen oder der Familiennachmittag am Mittwoch, wo man auch selber aktiv werden kann, gehören ebenso zum Bergwelten Filmfestival, das heuer zum zweiten Mal durchgeführt wird. Und in neuer Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Zentralschweiz findet am Sonntag ein Gespräch mit Autor Martin Widmer statt zur Frage «Was macht der Krimi in den Bergen?».

Auch Zentralschweizer Filmschaffen vertreten

«Wir Bergler in den Bergen…» von Fredi M. Murer.
Bild: Filmstill: zvg

Mit dabei sind auch Zentralschweizer Filme wie Theo Stichs Dokumentarfilm «Im Bann des Föhns», die Kurzfilme «Been There» von Corina Schwingruber Ilić oder «C pas fini» von Lara Schroeter oder, in der Programmreihe «History», der erste lange Dokumentarfilm von Fredi M. Murer, «Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, dass wir das sind» (1974), in einer restaurierten Fassung.

Übrigens: Der Schwyzer Filmemacher und Festival-Co-Organisator Thomas Horat («Die Rückkehr der Wölfe») hat unlängst mit seinem jüngsten Werk «Diciassette» am Trento Film Festival den Jurypreis gewonnen. Der Kurzfilm handelt von einer italienischen Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg. (reg)

Bergwelten Filmfestival in Stans, Mittwoch, 29. Mai bis Sonntag, 2. Juni; Programm und Tickets: www.bergwelten-filmfestival.ch .

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