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Todesfall

Clown Dimitri stirbt im Alter von 80 Jahren

Nach kurzem Unwohlsein ist Clown Dimitri am Dienstagabend im Alter von 80 Jahren überraschend gestorben. Noch am Sonntag hatte der Künstler im Stück «Sogno di un'altra vita» auf der Bühne gestanden.
Das ansteckende lachen war eines der Markenzeichen von Dimiitri. Unser Bild zeigt ihn bei einem Besuch in Luzern im Januar letzten Jahres.
Bild: Corinne Glanzmann/Neue LZ
Dimitri, hier bei einem Auftritt im November 2003 im Theater am Hechtplatz in Zürich.
Bild: Keystone / Eddy Risch

Am Montag spielte der Clown mit seiner Familie das Stück «DimiTRIgenerations» auf der Bühne des Teatro Dimitri in Verscio. Der Künstler sei «mitten aus seinem vielseitigen Schaffen» gerissen worden, teilte das Teatro Monte Verità am Mittwoch. «Ein poetischer Clown und wunderbarer Mensch ist nicht mehr.»

Das Stück «Sogno di un'altra vita» werde «im Sinne von Dimitri und seiner Familie» weitergespielt. Wie Dimitris Sprecherin Verena Graf auf Anfrage der sda sagte, werde die Nebenrolle, die Dimitri inne hatte, umbesetzt.

Berset: «Er hat uns alle beglückt»

Bundesrat Alain Berset traf Dimitri mehrmals im Tessin und hat diese Treffen «in bester Erinnerung». «Dimitri war ein warmherziger, inspirierender Mensch» und «einer der bedeutendsten Bühnenkünstler der Schweiz», erklärte der Kulturminister auf Anfrage der sda in einem Statement.

«Dimitri hat uns eindrücklich gezeigt, was Kleinkunst ist: nämlich grosse Kunst mit bescheidenem Gestus.» Die Schweiz werde seine Poesie und seine Kunst vermissen. «Er hat uns alle beglückt.»

Marco Solari, Präsident des Festival del film Locarno, bezeichnete den Clown als «Poeten, der die Menschen liebte, und geliebt werden wollte». Er sei ein «herzensguter und reiner Mensch» gewesen.

Drei Mal war Dimitri mit dem Nationalcircus Knie auf Tournee. Der Kontakt zwischen der Zirkusdynastie Knie und der Familie Dimitri blieb auch danach eng, wie Direktor Fredy Knie junior der sda sagte. Er ehrte den Verstorbenen als «unglaublichen Künstler, Mimen und Theaterregisseur» und betonte seine Leistung als Lehrer und Mentor am Teatro Dimitri.

Renommierte Theaterschule

Dimitri kam 1935 in Ascona zur Welt. Parallel zu einer Ausbildung zum Töpfer liess sich der Clown in Artistik, Ballett, Musik und Schauspiel unterrichten. Seine Paradedisziplin, die Pantomime, erlernte er in Paris bei Etienne Decroux. In der französischen Hauptstadt hatte der Clown später auch seine ersten Auftritte.

Nach Auftritten auf der ganzen Welt und seinen Tourneen mit dem Circus Knie gründete Dimitri mit seiner Frau Gunda 1971 in Verscio das Teatro Dimitri. Durch seinen Einsatz im Dorf bei Locarno ist ein kunterbuntes Imperium entstanden: Neben dem Theater entstand eine Theaterschule, die sich seit 2015 «Accademia» nennt. In der jüngeren Zeit kamen ein Komik-Museum und der «Parco del Clown» hinzu.

Film mit Dimitri war in Planung

Dimitri wurde vielfach ausgezeichnet; so erhielt er etwa 1976 die höchste Theaterauszeichnung der Schweiz, den Hans-Reinhart-Ring, 2000 einen Ehren-Prix-Walo sowie 2009 und 2013 je einen Swiss Award.

Kurz nach seinem 80. Geburtstag im vergangenen September gab Dimitri bekannt, im Film «Capostazione Molinari» des algerisch-schweizerischen Regisseurs Mohammed Soudani («Oro verde») die Hauptrolle zu spielen. Die Geschichte eines Bahnwärters habe Dimitri seit 20 Jahren im Herzen gehabt, sagte Produzentin Tiziani Soudani am Mittwoch der sda. Drehstart wäre im kommenden Frühling gewesen.

Dimitri hinterlässt neben seiner Frau Gunda seine vier Kinder David, Nina, Masha und Ivan sowie mehrere Enkelkinder.

 Alain Berset: «Die Schweiz wird seine Poesie und Kunst vermissen»

Bundesrat Alain Berset hat Dimitri mehrmals im Tessin getroffen und hat diese Treffen «in bester Erinnerung». Dimitri sei ein «warmherziger, inspirierender Mensch und einer der bedeutendsten Bühnenkünstler der Schweiz», heisst es in einem Statement des Kulturministers.

Dimitri habe das kulturelle Leben des Tessins und der Schweiz seit über einem halben Jahrhundert geprägt, nicht zuletzt durch das Teatro Dimitri und die von ihm gegründete Scuola Dimitri, aber auch durch seine Arbeit als Regisseur, Autor und Maler. Mit dem Hans-Reinhart-Ring habe Dimitri bereits vor 40 Jahren die höchste Theaterauszeichnung der Schweiz erhalten.

 

«Dimitri hat uns eindrücklich gezeigt, was Kleinkunst ist: nämlich grosse Kunst mit bescheidenem Gestus. Die Schweiz wird seine Poesie und seine Kunst, die Menschen zum Lachen zu bringen, vermissen. Er hat uns alle beglückt.»

Marco Solari: Dimitri war ein «Poet, der die Menschen liebte»

Er sei «ein Poet gewesen, der die Menschen liebte, und geliebt werden wollte», sagte Marco Solari, Präsident des Festival del film Locarno, am Mittwoch über den verstorbenen Clown Dimitri. «Er war ein herzensguter und reiner Mensch.»

Wenn Dimitri Ablehnung erfahren habe - etwa nach einer politischen Äusserung - sei er traurig geworden. «Und er war erstaunt, dass nicht alle Menschen so dachten wie er.»

Besonders für das Tessin habe Dimitri grosse Bedeutung gehabt. Zeitgleich mit Dimitris ersten grossen Erfolgen als Clown anfangs der 1970er Jahre wurde Solari Tourismus-Chef des Kantons Tessins. Damals habe der Slogan des Kantons «Tessin, Wiege der Kunst» gelautet. Dimitri habe das wie kein anderer repräsentiert.

Dreharbeiten zu Dimitri-Film hätten im Frühling starten sollen

Ein Film hätte das langjährige Schaffen von Clown Dimitri honorieren sollen. Doch soweit sollte es nicht mehr kommen, denn Dimitri starb am Dienstagabend überraschend mit 80 Jahren. Die Crew um den schweizerisch-algerischen Regisseur Mohammed Soudani zeigte sich erschüttert.

Tiziana Soudani, Filmproduzentin und Ehefrau von Mohammed Soudani, sagte am Mittwoch auf Anfrage der sda, das Drehbuch zum Dokumentarfilm sei fertig gewesen, gerade am vergangenen Wochenende habe sie mit Dimitri gesprochen, um das weitere Vorgehen zu planen. Aktuell sei man mit der Finanzierung des Films beschäftigt gewesen. Die Nachricht vom Todes des Künstlers treffe sie und ihren Mann, der für Dreharbeiten unterwegs war, völlig unvorbereitet.

Dimitri haben diesen Film unbedingt machen wollen, er habe ihren Mann kontaktiert und ihn gebeten den Film zu drehen. «Dimitri war enthusiastisch wie immer, ein Gewitter», sagte Tiziana Soudani über die Zusammenarbeit. Die Idee zum Film hatte Dimitri laut der Produzentin «seit 20 Jahren im Herzen». Die Dreharbeiten hätten im kommenden Frühling starten sollen.

sda/zim

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