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Popkultur-Glosse

Berühmt, aber talentfrei? It Girls sind nicht mehr das, was sie mal waren – zum Glück

Sie sind belächelte Ikonen, die personifizierte Popkultur und berühmt für's Berühmt sein: It Girls haben das gewisse Etwas und werden dafür in den Himmel gehoben – und wieder zu Boden gerissen, wenn wir genug von ihnen haben. Zumindest war das früher so.

Diese Woche wurden die Emmys verliehen, quasi die Oscars des US-Fernsehens. Und Zendaya hat als beste Hauptdarstellerin gewonnen - erneut. Sie war bereits die jüngste Emmy-Gewinnerin aller Zeiten, jetzt ist sie mit 26 die jüngste zweifache Emmy-Gewinnerin. Der ehemalige Disney-Kinderstar ist aber nicht nur eine fabelhafte Schauspielerin, zauberhafte Fashion Ikone und braucht wie Madonna, Cher oder die Queen keinen Nachnamen: Sie ist auch das It Girl des Moments.

It Girls gibt es sehr viel länger, als man meinen sollte. Der Begriff hat seinen Ursprung aus dem Film «It» – nein, nicht der mit dem Horror Clown. Es ist ein Film aus dem Jahr 1927 über eine Frau mit dem gewissen Etwas. Und genau das macht das It Girl aus: Scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht, ist sie plötzlich berühmt. Sie hat etwas ikonenhaftes und verkörpert den aktuellen Zeitgeist. Wir machen ein It Girl zum It Girl – und sind längst nicht immer gut zu ihr. Wir verfolgen sie auf Schritt und tritt, wollen wissen, was sie macht, sagt und trägt. Wir verleihen ihr einen Titel und reissen sie an genau diesem wieder zu Boden.

Marilyn Monroe war glamourös und sexy – und wurde als dummes Blondchen hingestellt. Kate Moss war die Verkörperung von 90ies-Fashion – und wurde für den Magerwahn und Drogenmissbrauch verantwortlich gemacht. Paris Hilton war in den 2000er Jahren das, was wir heute als Influencer bezeichnen – und wurde ausgelacht, weil sie «für nichts» berühmt ist. Kim Kardashian wurde für ihre Kurven bejubelt – und dann beschuldigt, uns mit einem falschen Schönheitsideal eine Gehirnwäsche verpasst zu haben. Natürlich waren und sind sie nicht perfekte Unschuldsengel, aber eben genauso wenig schuld an den negativen Seiten unserer Gesellschaft.

Die It Girls von heute sind anders. Sie sind zahlreicher, unterschiedlicher, aber auch schnelllebiger: Kylie Jenner, Billie Eilish, Lizzo oder sogar Alexandria Ocasio Cortez, die quasi das It Girl der US-Politik ist. Und natürlich Zendaya.

Die Strategie ging auf: Vom Kinderstar zum Fashion Star zum Superstar

Sie verkörpert vielleicht wie keine vor ihr das It Girl, das als talentiert anerkannt wird und trotzdem keine Angst vor Fashion-Experimenten hat. Ihr Aufstieg zum Star geht sogar Hand in Hand mit ihren Outfits auf dem roten Teppich.

Genau das gab quasi den Startschuss zu ihrem Aufstieg: Nachdem Zendaya bei den Oscars 2015 mit Dreadlocks auftauchte, kommentiert eine US-Moderatorin in der Fernsehshow «Fashion Police», sie sehe aus, als würde sie nach Gras riechen. Mit gerade mal 18 Jahren reagierte Zendaya mit einem meisterhaften Statement – und sorgte für Schlagzeilen. «Fashion Police» gibt es heute nicht mehr.

Übrigens hatte Zendaya gar keinen Grund, um bei den Oscars dabei zu sein. Sie war weder nominiert, noch überreichte sie den Award. Sie war da, um gesehen zu werden, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und das Image als ehemaliger Disney-Kinderstar abzuschütteln. Genau, wie an vielen anderen Events, wo sie «nichts verloren» hat, wie sie selbst sagt. Manche hätten sie als «Platzhalter» beschimpft, aber «ich sah gut dabei aus», kontert sie. Und wenn das kein It Girl-Move ist.

Heute hat sie ihr Talent längst bewiesen, sie engagiert sich für Themen wie soziale Ungerechtigkeiten und Diversity in Hollywood und hat einen enormen Einfluss auf ihre ständig wachsende Fangemeinde. Nicht obwohl, sondern weil sie das It Girl von heute ist. Und bisher gibt es kein Anzeichen dafür, dass sie gestürzt wird.

Um die aktuelle Popkultur zu erfassen, muss man nur das aktuelle It Girl anschauen. Und verglichen mit der Vergangenheit, in der dieses gerne belächelt oder verurteilt wurde, wirkt die Popkultur von heute eigentlich gar nicht schlecht.

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