Hierzulande ist Stalking – noch – kein eigener Straftatbestand. So übel die Praxis des permanenten Nachstellens ist, so schwierig kann es juristisch sein, sie präzise zu ahnden. Der neue «Tatort» aus Bremen spielt mit dieser Ambivalenz: Die alleinerziehende Mutter Rani (Via Jikeli) wähnt sich von ihrem Ex Marek Kolschak verfolgt. Überall scheint er ihr aufzulauern, die Zuschauer erleben Ranis Panik in Rückblenden direkt aus ihrer Perspektive, wenn das Bild sich kurz verdunkelt, wie beim Blinzeln.
Da spült es den Investigativjournalisten Kolschak tot am Weserstrand an. Er war just an einem Fall um einen Drogendeal dran, der Selb (Luise Wolfram) immer noch ganz schön zu knabbern macht, schliesslich ist sie an dessen Aufklärung gescheitert. Missgelaunt bellt sie Sätze wie: «Liebe macht dumm.»
Subtile Sozialkritik im neuen Fall
Sie selbst macht ihrer Kollegin Moormann (Jasna Fritzi Bauer) die Zusammenarbeit zur Hölle. Aus dem oft mühsamen und fruchtlosen Angemotze über jeweilige Alleingänge schält sich das Menschenbild der beiden Ermittlerinnen heraus: Selb will Rani als Leidtragende sehen, während Moormann in ihr die Mörderin vermutet.
Beide beharken sich so nicht nur beim polizeiinternen Krav-Maga-Training, sondern jagen auch durch ein graues, gefühlskaltes Bremen voller Einsamer und Hilfloser. Die Sozialkritik in der Folge «Solange du atmest» wirkt subtil. Darüber verschwimmt die Wahrnehmung, wer Opfer ist, wer Täter, in einem wenig spektakulären, doch soliden «Tatort» mit einem vorhersehbaren, immerhin konsequenten Ende.
«Tatort »aus Bremen: Solange du atmest. Sonntag, 20.05, SRF 1. Wir vergeben 3 von 5 Sternen.

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