Ein grosses Täuschungsmanöver hat sich Drehbuchautorin Regine Bielefeldt für den 47. Fall von Thiel und Boerne ausgedacht. Das ist bei dem sonst so vorhersehbar agierenden, seit über zwanzig Jahren miteinander verheirateten «Tatort»-«Ehepaar» aus Münster erst mal eine gute Nachricht.
Der Logik einer Täuschung folgend, setzt die Folge «Fidarallala» nicht mit einer Leiche ein, sondern mit einem putzlebendigen Forensikstudenten, der vorgibt, eine Leiche zu sein.
Der von Prof. Boerne unter der Studentenschaft angeregte Gag, der Kollege Thiel ein bisschen durchrütteln soll, wird eine Kaskade von Ereignissen in Gang setzen, an deren Ende zwei Mordopfer (ein Barkeeper und ein Germanistikprofessor) stehen und eine Wohnungskündigung (für Thiel). Wobei man sich auch da täuschen kann. Mehr sei nicht verraten. Die Zahl der Tatverdächtigen, die sich zu den Morden schuldig bekennen, ist jedenfalls verdächtig hoch.
Prof. Boerne hat in dieser Folge aber noch ein ganz anderes Problem, und das dreht sich – wie soll’s anders sein? – um sein Ego. Seit er an einer Studentenparty von der Tiktok-Jugend gut dokumentiert die Vogelhochzeit trällerte, fürchtet er um seinen Ruf. Und täuscht sich auch da: Die Jugend findet ihn nicht cringe, sondern wählt ihn zum beliebtesten Professor ihrer Hochschule.
Die schlechte Nachricht: So richtig überzeugen kann dieses Vogelkonzert nicht. Zu gesucht wirkt der Plot, der es auch nicht versäumt, mit Shakespeare-Zitaten um sich zu schmeissen («Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche»).
«Tatort» aus Münster – «Fiderallala». SRF 1, So., 6.4., 20.05 Uhr. Drei Sterne.


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