Da gab es offensichtlich Misstöne. Der erfolgreiche Laberpodcast «Zivadiliring» mit Gülsha Adilji, Yvonne Eisenring (Host von CH Media-Podcast «Wahrheit, Wein und Eisenring» ) und Maja Zivadinovic wird per sofort von SRF abgesetzt, wie der «Blick» am Dienstagmorgen verkündet. Die Meldung wurde von beiden Seiten bestätigt.
In einer Stellungnahme des Senders heisst es: «Die auslaufenden Verträge mit den drei Hosts Gülsha Adilji, Yvonne Eisenring und Maja Zivadinovic wurden nicht verlängert und das Angebot wird in den freien Markt entlassen.» «Der Entscheid ist uns nicht leichtgefallen», sagt Angebotsverantwortliche Anita Richner. «Es war uns eine Freude, diesen Podcast zu entwickeln, und natürlich ist es schade, ein so erfolgreich etabliertes und authentisches Angebot wie ‹Zivadiliring› loszulassen.»
Maja: «Wir müssen zuerst verdauen»
Maja Zivadinovic sagt gegenüber dieser Zeitung: «Wir sind traurig über den Entscheid. ‹Zivadiliring› ist unser absolutes Herzprojekt.» Sichtlich angefasst reagieren die drei Frauen auch auf ihren Social-Media-Kanälen. Wie es mit dem Podcast-Format weitergehe, sei derzeit noch unklar. Sie würden aber informieren, sobald es mehr Infos gebe. Noch bei der Aufzeichnung einer Sendung Ende des letzten Jahres hätten sie nicht gewusst, dass das die letzte Sendung sei.
Das SRF erklärt auf Anfrage, die Hosts seien bereits Anfang Dezember über die Nichtverlängerung ihres 2024 auslaufenden Vertrages informiert worden. Seit September sei man mit den drei Frauen in Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung gestanden. Sie hätten keine Einigung erzielt.
SRF waren kommerzielle Aktivitäten ein Dorn im Auge
«Zivadiliring» ist eines der erfolgreichsten Podcast-Formate der Schweiz mit einer riesigen, hauptsächlich weiblichen Followerschaft, welche regelmässig zu den Live-Shows des Trios pilgert. Erst im Dezember hatten die drei Frauen für Oktober 2025 eine Show im Hallenstadion Zürich angekündigt, zu der 10’000 Fans erwartet werden. Der Live-Event ist bereits jetzt ausverkauft. Auch dank der Reichweite ihres Arbeitgebers hatten die drei Frauen in den letzten Jahren eine enorme Followerschaft hinzugewonnen.
SRF produzierte den Podcast und bewarb ihn sowie die angekündigte Show im Hallenstadion über seine Kanäle. Mit den kommerziell einträglichen Live-Shows hatte das SRF aber nichts zu tun und verdiente auch nicht daran, wie man dieser Zeitung vor einigen Wochen bestätigte. Verhindern konnte man sie aber nicht. Auch nicht die zusätzlichen Werbeeinkünfte der Hosts. Denn zum Zeitpunkt der Vertragsschliessung hätten im SRF-Audio-Bereich ähnlich gelagerte Fälle gefehlt und seien «entsprechende Regelungen daher noch nicht üblich» gewesen, wie man auf Anfrage erklärt.
Für das Medienhaus wurde das zum Problem. Denn: «Die publizistischen Leitlinien von SRF als öffentliches Medienhaus enthalten äusserst restriktive Vorgaben bezüglich kommerzieller Aktivitäten und öffentlichen Auftritten von Mitarbeitenden, weil sich daraus wahrnehmbar Interessenbindungen ableiten lassen.» Mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehung sei deshalb auch ein Zielkonflikt aufgelöst worden.
Inzwischen sind Regelungen über kommerzielle Aktivitäten und Werbeengagements auch bei SRF-Verträgen Standard. Das dürfte den in Teilzeit für das SRF arbeitenden Frauen, die nebenbei mit Werbeverträgen und Live-Auftritten viel Geld verdienen, nicht gefallen haben. Die neue Regelung dürfte auch in Zukunft viele Influencer vor Probleme stellen, die in Teilzeit für ein Medienunternehmen tätig sind.
Erst im letzten Jahr war der Influencer und Schauspieler Cedi Schild («Tschugger») durch eine Recherche des Online-Magazins «Republik» in Kritik geraten, weil er in einem Dokfilm Schleichwerbung für Alkohol machte – mit dem Medienhaus Ringier im Rücken.

Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.