2018: ein vorzüglicher Sport-Jahrgang

ALLGEMEINES ⋅ 2018 war ein vorzüglicher Schweizer Sport-Jahrgang. In Pyeongchang egalisiert die Olympia-Delegation mit 15 Medaillen die Bestmarke von Calgary 1988. Insgesamt holten Schweizer Sportler 160 Medaillen.

25. Dezember 2018, 12:08

Es gab 2018 viel Grund zu Jubel. An den Olympischen Winterspielen gewannen Dario Cologna (15 km Langlauf), Michelle Gisin (Kombination der Frauen), Sarah Höfflin (Slopestyle), die Ski-Equipe (Teamwettkampf) und Nevin Galmarini (Parallel-Riesenslalom Snowboard) fünf Goldmedaillen.

1988 hatte die Schweiz ebenfalls fünf Goldmedaillen und 15 Medaillen geholt. Dennoch lassen sich die beiden olympischen Sternstunden nicht miteinander vergleichen. 1988 gab es bloss halb so viele Medaillensätze zu gewinnen. Die Schweiz beendete damals die Winterspiele auf Platz 3 des Medaillenspiegel. In Pyeongchang reichten 5 Gold-, 6 Silber- und 4 Bronzemedaillen zu Platz 8.

Und Hand aufs Herz: Hätten Sie die Goldmedaillengewinner des Februars zehn Monate später noch alle aufzählen können? Die Goldhelden von Calgary - die Ski-Asse Pirmin Zurbriggen und Vreni Schneider (Doppel-Olympiasiegerin), Bob-Titan Ekkehard Fasser und der Kombinierer Hippolyt Kempf - sind noch 30 Jahre danach unvergessen.

Tatsächlich glänzte trotz 160 gewonnenen Medaillen an Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften im Schweizer Sport viel, aber nicht alles.

Es gab Licht und Schatten. Beispiele dafür lieferten die beiden grössten Nationalteams. Die Fussball-Nati schaffte es im FIFA-Ranking bis auf Platz 6 und am Jahresende in der neuen Nations League in die Halbfinals - die WM in Russland endete aber mit einem 0:1 im Achtelfinal gegen Schweden und mit der Doppeladleraffäre während der Vorrunde ernüchternd. Das Eishockey-Nationalteam gewann grandios an der WM in Dänemark die Silbermedaille. Ein Penalty fehlte im Final gegen Schweden zu Gold. Aber auf der grössten Bühne, bei Olympia in Südkorea, scheiterten die "Eisgenossen" blamabel in den Achtelfinals an Deutschland.

Viele Märchen wurden geschrieben. Das schier unglaublichste von Daniela Ryf, der Schweizer Sportlerin des Jahres: In Hawaii, als sie zum vierten Mal die Ironman-WM gewann, schwamm sie unmittelbar vor dem Wettkampf in eine Qualle. Ryf spürte phasenweise den Arm nicht mehr. Sie stand der Aufgabe nahe und lag nach dem Schwimmen fast zehn Minuten zurück. Am Ende aber war sie so schnell, dass nur noch zwei Dutzend Männer schneller waren als sie. Die Frage ist erlaubt: Kommt der Tag, an dem die beste Frau den besten Mann überflügelt?

Bei den Männern ging der Sport-Award an den Mountainbiker Nino Schurter. Schurter gewann zum sechsten Mal den Weltcup und wurde auf der Lenzerheide zum siebenten Mal (und zum vierten Mal hintereinander) Weltmeister. Dank der besten Saison seiner Karriere und der Krönung an der Heim-WM schaffte es Schurter endlich, Roger Federer in der Publikumswahl hinter sich zu lassen.

Auch Roger Federer spielte traumhaft - zumindest in den ersten zwei Monaten der Saison. Der Tennis-Maestro holte mit 37 am Australian Open seinen 20. Grand-Slam-Titel, wurde im Februar in Rotterdam die älteste Weltnummer 1 der Geschichte und holte im Herbst an den Swiss Indoors in Basel den 99. Titel seiner Karriere. Nach dem Blitzstart ins Jahr mit 20 Siegen in Serie stand Federer aber in der zweiten Jahreshälfte im Schatten von Novak Djokovic. Stan Wawrinka, der zweite Schweizer Tennis-Titan, fand nach einer Knieoperation 2017 den Tritt noch nicht wieder und brach zum zweiten Mal nacheinander eine Saison vorzeitig ab.

Schon fast kitschige Geschichten schrieben die Young Boys, die nach 32 Jahren wieder Fussball-Meister wurden, mit Goalie Marco Wölfli (startete die Saison auf der Ersatzbank und wurde Meisterheld) und die ZSC Lions mit Captain Mathias Seger (Rücktritt nach dem Meistertitel).

Und sonst? Mit dem FC Locarno (Konkurs) verschwand ein Traditionsklub in der 5. Liga. Ein anderer Traditionsverein (Neuchâtel Xamax) kehrte in die Super League zurück. An der Fussball-WM triumphierte zum zweiten Mal Frankreich, im Final gegen Kroatien. Ein weiterer Versuch, Olympische Spiele in die Schweiz zu holen, wurde vom Stimmvolk an der Urne bachab geschickt (Sion 2026).

Das schönste Märchen im internationalen Sport schrieb die Tschechin Ester Ledecka, die als Snowboarderin bei Olympia den Super-G der Frauen gewann und im Parallel-Riesenslalom in ihrer Spezialdisziplin nachdoppelte. Das Gegenteil, einen wahren Albtraum, erlebte der deutsche Goalie Loris Karius mit dem FC Liverpool mit seinen Patzern im Champions-League-Final gegen Real Madrid. (sda)


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