Paul Estermann nicht mehr im Elite-Kader

REITEN ⋅ Paul Estermann macht den Weg frei, damit sich die Schweizer Springreiter-Equipe störungsfrei auf Tokio 2020 vorbereiten kann. Der Olympia-Kandidat verzichtet auf die Zugehörigkeit zum Kader.

Aktualisiert: 
25.11.2019, 18:27
25. November 2019, 17:13

Wenige Tage nachdem ihn das Bezirksgericht Willisau der Tierquälerei schuldig gesprochen hat, trat der 56-jährige Estermann freiwillig aus dem Kader zurück. Der Luzerner vollzog diesen Schritt bereits zum zweiten Mal. Schon vor den Europameisterschaften 2017 in Göteborg reagierte er mit einem Verzicht auf die Tatsache, dass eine Strafuntersuchung gegen ihn lief.

Estermann wolle mit seinem Austritt dem Pferdesport und dem SVPS dienlich sein, hiess es in einer Mitteilung des Schweizerischen Verband für Pferdesport (SVPS). Zudem hoffe der 56-jährige Luzerner, mit diesem Schritt der Schweizer Springreiter-Equipe eine störungsfreie Vorbereitung auf die kommende Saison und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu ermöglichen.

Aus rein kompetitiver Optik wird die Schweizer Equipe durch das Aus von Estermann geschwächt. Der Routinier lag mit Lord Pepsi in der Pole Position um den dritten Platz in der Schweizer Equipe hinter Steve Guerdat und Martin Fuchs, den Nummern 1 und 2 der Weltrangliste. An den Olympischen Spielen in Tokio werden im Kampf um die Team-Medaillen pro Nation nur noch drei Springreiter ohne Streichresultat und nicht mehr vier Paare mit einem Streichresultat eingesetzt.

Der Routinier aus dem Luzernischen gilt als nervenstarker Reiter. Er tritt im Prinzip erst seit 2012 international gross in Erscheinung. Seit den Olympischen Spielen in London war er nahezu an jedem Grossanlass Teil der Schweizer Equipe. Die EM-Bronzemedaille mit dem Team 2015 in Aachen und die damit verbundene Olympia-Qualifikation für Rio 2016 war primär sein Verdienst. Damals ritt er Castlefield Eclipse. Heuer an den EM in Rotterdam blieb Lord Pepsi nach einem starken Sommer unter den Erwartungen.

Der Austritt aus dem Kader bedeutet, dass Estermann vorläufig nicht mehr für die Schweizer Equipe an Nationenpreisen und Championats starten darf. Teilnahmen an nationalen und internationalen Wettkämpfen sind hingegen weiterhin möglich. Einen Auftritt beim CHI Genf (12. bis 15. Dezember) und beim Weltcup-Event in Basel (9. bis 12. Januar) schloss Estermann aber aus.

Estermann war am Freitag vom Bezirksgericht Willisau der mehrfachen vorsätzlichen Tierquälerei schuldig gesprochen worden. Gegen das Urteil meldete der Anwalt des Springreiters Einspruch an. Ob an diesem festgehalten wird, entscheiden er und sein Mandant nach dem Studium der Urteilsbegründung, die erst in ein paar Wochen vorliegen dürfte. Der Verband sieht aufgrund der Unschuldsvermutung zu diesem Zeitpunkt von Sanktionen ab. (sda)


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