Das Unglück am Titlis ist tragisch. Für die Betroffenen, für Angehörige, für alle Beteiligten. Was nachdenklich stimmt, ist weniger das Ereignis selbst als der Umgang damit. Kaum geschehen, richtet sich der Blick bereits auf mögliche Schuldige. Strafverfahren werden eingeleitet, Verantwortlichkeiten definiert. Das ist nachvollziehbar – aber nicht immer angemessen.
Wir leben in einer Zeit, in der Risiken möglichst ausgeschlossen werden sollen. Sicherheit hat einen hohen Stellenwert. Gleichzeitig scheint die Erwartung gewachsen zu sein, dass für jedes Ereignis jemand verantwortlich gemacht werden kann. Doch das Leben entzieht sich dieser Logik.
Wer sich im Alltag bewegt – im Verkehr, in den Bergen oder sonstwo –, trifft Entscheidungen. Jede dieser Entscheidungen beinhaltet auch ein Restrisiko. Dieses vollständig eliminieren zu wollen, ist weder realistisch noch möglich.
Selbstverantwortung bedeutet nicht Leichtsinn. Sie bedeutet, sich der eigenen Rolle bewusst zu sein. Zu erkennen, dass nicht jede Konsequenz delegierbar ist.
Natürlich müssen mögliche Fehler oder Versäumnisse geprüft werden. Das gehört zu einem funktionierenden Rechtsstaat. Gleichzeitig braucht es aber auch die Fähigkeit zur Differenzierung: Nicht jedes Unglück ist automatisch das Resultat von Schuld.
Vielleicht liegt genau hier die Herausforderung: Tragik auszuhalten, ohne sofort nach Verantwortlichen zu suchen. Und Verantwortung wieder stärker als etwas zu verstehen, das auch bei uns selbst beginnt.

