Der Antisemitismusbericht 2025 zeigt sehr unschöne und gar gefährliche Entwicklungen. Jetzt müssen wir alle Verantwortung übernehmen. In der politischen Debatte rund um das Thema beobachtet man ein leidiges Vorgehen: Benannt wird immer nur der Antisemitismus der anderen.
Wer sich jedoch einmal mit der Geschichte des Antisemitismus beschäftigt hat, merkt schnell, dass das nicht ein rein eingewandertes Problem sein kann. Dafür hat der Antisemitismus in Europa eine zu lange und furchtbare Tradition. Eine Tradition, die leider durch alle ideologischen Lager hindurchgeht. Ideengeschichtlich sind wir also alle in der Verantwortung. Wer nur auf die anderen zeigt, möchte das Problem nicht lösen, sondern auf dem Buckel der jüdischen Bevölkerung Parteipolitik machen. Und das Thema ist zu wichtig, um damit Parteipolitik machen zu wollen. Es ist einfach, andere auf ihre antisemitischen Tendenzen aufmerksam zu machen. Schwieriger ist es jedoch, bei den eigenen Freunden und Parteikolleginnen hinzuschauen.
Es liegt an uns allen, hier Probleme zu benennen, Verschwörungsmythen, die letztlich immer im Antisemitismus enden, nicht durchgehen zu lassen. Auch unsere Bildsprache ist relevant. So hat eine weit rechts aussen stehende Wochenzeitung vor nicht allzu langer Zeit ein Cover präsentiert, das einen Kraken zeigt, der alles umschlingt. Eine Bildsprache, die 1:1 vom Nationalsozialismus übernommen worden ist. Ähnliche Symbolik findet man online leider recht häufig, auch auf linken Seiten.
Was ich hier fordere, ist nicht einfach. Sich selbst zu hinterfragen und problematische Tendenzen zu finden, ist anstrengend. Wenn wir dieses Problem lösen wollen, und das sollten wir, dann müssen wir alle diese Arbeit tun.

