Die Bodenpreise und die Mieten in unserem Kanton sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Allein die Angebotsmieten haben sich innerhalb von fünf Jahren um rund 30 Prozent erhöht. Der «Bote» schreibt dazu: «Aber hängt das Wachstum nicht auch mit der Tiefsteuerstrategie zusammen? Die Beantwortung dieser Frage ist wohl vor allem politische Glaubenssache.»
Diese Darstellung ist nicht zutreffend. Ob ein Zusammenhang zwischen Tiefsteuerpolitik und steigenden Mieten besteht, ist keine Frage des Glaubens, sondern eine Frage der empirischen Evidenz. Zahlreiche Studien zeigen einen klaren kausalen Zusammenhang zwischen attraktiven Steuerbedingungen, verstärktem Zuzug und steigender Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Mietpreise.
Selbstverständlich sind tiefe Steuern nicht der alleinige Grund für die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt. Doch die steuerpolitische Ausrichtung eines Kantons ist ein relevanter Einflussfaktor, der in der wissenschaftlichen Literatur breit untersucht und belegt ist.
Wir müssen der Wahrheit in die Augen sehen: Die Tiefsteuerpolitik ist gescheitert. Die Zeche bezahlt – wie immer – der Mittelstand, für den das Leben immer teurer wird, was die Verursacher aber gerne unter den Teppich kehren. Wer die Diskussion zur Glaubensfrage erklärt, verkennt den Stand der Forschung.

