«Das Paradies der Expats» – so betitelte der NZZ-Journalist Benedict Neff vor Kurzem einen Gastbeitrag im «Boten». Er analysiert: Schwyz wird erstürmt. Ich erlaube mir ebenfalls eine Aussensicht – als ein Brunner, der in Luzern lebt, dem der Kanton Schwyz aber nach wie vor am Herzen liegt.
Seit Jahren sind die Steuern im Kanton tief, um Gutverdiener anzulocken. Das Ziel: ein attraktiver Kanton für alle. Aber ist dem wirklich so? Werfen wir einen Blick darauf, was seit Einführung der Tiefsteuerstrategie geschehen ist. Der Kanton hat ein Bevölkerungswachstum hinter sich wie noch nie. Lebten hier im Jahr 2000 rund 128 ’ 000 Einwohner, sind es nun deren 170 ’ 000. Schwyz gehört beim prozentualen Wachstum schweizweit zu den Spitzenreitern.
Doch was bringt das der Bevölkerung? Der Durchschnittsverdiener profitiert zwar von einer angenehmen Steuerrechnung. Aber sonst? Das Bevölkerungswachstum lässt die Mietpreise nach oben schnellen. Zwischen 2020 und 2025 stiegen sie laut der Zürcher Kantonalbank nirgendwo so stark wie im Kanton Schwyz – selbst Zug konnte da nicht «mithalten». Auch die Immobilienpreise nahmen stark zu.
Ein anderes Beispiel: Wer früher zwischen Brunnen und Schwyz pendelte, tat dies meist ohne jegliche Verkehrsprobleme. Heute sind Staus fast schon selbstverständlich. Andernorts im Kanton sieht es ähnlich aus.
Was ich damit sagen will: Ich bezweifle, dass die Tiefsteuerstrategie, welche von grossen Teilen der Politik als Erfolgsgeschichte verkauft wird, das Leben des Durchschnittsschwyzers besser gemacht hat. Ich finde, wir sollten das «Modell Schwyz» überdenken. Sonst führt das zu zugerischen Verhältnissen, wo die einheimische Bevölkerung bekanntlich in die Nachbarkantone verdrängt wird. Und Schwyz würde endgültig zum «Paradies der Expats».
