Leserbrief

Wertung statt Berichterstattung

Zum Artikel «Die Polizei braucht mehr Ressourcen» vom 1. Juni
Leserbrief, Leserbreif

Als OK-Mitglied freute ich mich über den prominenten und eingangs positiven Bericht von Rafael Muñoz zum Sicherheitsforum March. Anfangs sachlich und wertschätzend, kippt dieser bei Prof. Dr. Frank Urbaniok zunehmend in persönliche Wertungen und Ablehnung. Dies, obwohl Urbaniok trotz der hochkarätigen Referenten aus unserem Kanton klar der Publikumsmagnet des Abends war.

Statt einer sachlichen Auseinandersetzung mit seinen auf offiziellen Kriminal- und Verurteilungsstatistiken basierenden Aussagen wird seine Präsentation als fragwürdige Verkaufsveranstaltung dargestellt. Gleichzeitig werden Kritiker Urbanioks pauschal als «Fachleute» präsentiert, ohne konkrete Fehler in den von ihm präsentierten Daten und Analysen aufzuzeigen. Gewisse Vorschläge dieser Experten, etwa Aktionen wie «Messer gegen Netflix-Abo», dürfen durchaus kritisch hinterfragt werden.

Den Tiefpunkt des Berichts bildet folgende Passage: «Eine interessante These für den Angehörigen eines Staates, dessen kulturelle Prägung vor wenigen Generationen ebenfalls nicht vorbildlich war.» Die Anspielung ist kaum anders zu interpretieren, als dass ein Deutscher, der Probleme bei Migration und Ausländerkriminalität anspricht, unterschwellig in die Nähe extremistischer Denkmuster gerückt werden soll. Eine solche moralische Diskreditierung hat in einer neutralen Anlassberichterstattung nichts verloren, einfach «voll denäbe»!

Gerade bei politisch sensiblen Themen wäre eine klarere Trennung zwischen Berichterstattung und persönlicher Haltung wünschenswert gewesen. Der Abend selbst war geprägt von sachlichen Diskussionen und ernsthaften Sorgen über die zunehmende Kriminalität sowie die Belastung unserer Polizei und Justiz.