Leserbrief

Wer schützt wen?

Zu den jüngsten Wolfsangriffen im Kanton Schwyz

Wieder hat ein Wolf Nutztiere gerissen. Die Reaktion der Wolfsschützer folgt prompt. Der Herdenschutz sei ungenügend. Es sollen Zäune und Herdenschutzhunde her. Doch diese Forderung hat Folgen. Der Wolf ist nicht mehr nur Thema der Landwirtschaft. Er betrifft auch die Bevölkerung und Wanderer. Wolfsgerechte Zäune brauchen sichere Durchgänge und verursachen zusätzlichen Aufwand.

Noch problematischer sind Herdenschutzhunde. Sie sollen ihre Herde gegen Angreifer verteidigen. Was soll ein Wanderer tun, wenn ihm auf einem markierten Wanderweg Herdenschutzhunde entgegenkommen? Umkehren? Oder darauf vertrauen, dass die Situation gut ausgeht? Im Gebiet Fluebrig sind Wanderwege wegen Herdenschutzhunden bereits gesperrt. Ist das die Zukunft unserer Wanderwege?

Natürlich müssen Wanderer Rücksicht nehmen, die Signalisation beachten, Hunde anleinen und Abstand halten. Doch die Verantwortung darf nicht auf den Wanderer abgeschoben werden. Wer Herdenschutz fordert, muss auch die Konsequenzen für die öffentliche Nutzung unserer Landschaft verantworten. Wanderwege gehören zu unserer Freizeitkultur und sind für den Tourismus im Kanton Schwyz nicht unbedeutend. Es kann nicht die politische Lösung sein, die Bevölkerung immer stärker einzuschränken, damit der Wolf möglichst ungestört seinen Platz erhält.

Die entscheidende Frage lautet: Wie viele Einschränkungen der Bevölkerung ist die Politik bereit, für den Wolf in Kauf zu nehmen? Der Schutz des Wolfes und der Nutztiere ist legitim. Ebenso legitim sind aber die Sicherheit und Bewegungsfreiheit der Bevölkerung. Es darf nicht so weit kommen, dass der Wolf geschützt wird, die Nutztiere geschützt werden und am Ende die Wanderer aus den Bergen weichen müssen. Wer eine wachsende Wolfspopulation will, muss sagen, wer den Preis dafür bezahlt.