Leserbrief

Warten ist keine Klimapolitik

Zur Hitzewelle und zum Klimawandel

Im SRF-«Tagesgespräch» vom 2. Juni sagte Bundesrat Rösti zum Thema «Hitzewelle und Klimawandel», die Schweiz sei bei den Klimaschutzmassnahmen weiter als andere Länder. Ich weiss nicht, worauf er sich dabei stützt, denn laut offiziellen Berichten bewegen wir uns eher im Mittelfeld. Das ist aber nicht so schlimm, denn er meinte auch, dass wir als kleines Land ohnehin keinen Einfluss auf das Klima hätten und lieber warten sollten, bis andere Länder handeln. Obwohl uns die Hitzewelle deutlich vor Augen geführt hat, dass sich unser Klima zusehends verschlechtert, soll Handeln also keinen Sinn machen?

Ich finde es schade, dass unser Bundesrat so visionslos und unpatriotisch unterwegs ist und nicht will, dass wir weltweit zu den Besten im Klimaschutz gehören. Ja, die Schweiz ist klein, aber wir haben grosse Hebel in der Hand, mit denen wir global etwas bewirken können. Über unseren Finanzplatz, einen der grössten der Welt, werden Projekte mitfinanziert, die Emissionen in der Grössenordnung des 14- bis 18-Fachen unserer Inlandemissionen verursachen. Unsere Universitäten gehören zur Weltspitze, und wir sind ein innovatives Land – wir könnten also gezielt Klimaschutzinnovationen fördern, wie es zum Beispiel Climeworks vormacht.

Zudem sind wir für unsere Neutralität und Diplomatie bekannt, mit der wir andere Länder zum Mitmachen bewegen könnten, anstatt zu warten, bis diese von sich aus aktiv werden. Würde Bundesrat Rösti über unsere Fussballnati genauso sprechen wie über unser Klimaengagement, würde er wohl sagen: «Gut gemacht, Jungs, jetzt kommt nach Hause, denn als kleines Land schaffen wir es sowieso nicht weiter.»

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