Die Debatte über bezahlbaren Wohnraum verdient mehr Sachlichkeit. Andreas Marty hat recht: Für Familien und Menschen mittleren Einkommens ist Wohnen bereits heute eine Herausforderung. Auch die von Lüönd-Martone angesprochene Kehrseite darf nicht ausgeblendet werden: Unser Bevölkerungswachstum ist ein wesentlicher Treiber der Wohnungsproblematik.
Die Schweiz ist in kurzer Zeit stark gewachsen. Zwischen 2005 und 2025 stieg die ständige Wohnbevölkerung um über 22 Prozent! Mehr Menschen bedeuten zwangsläufig mehr Bedarf an Wohnungen, Verkehr und Infrastruktur. Migration ist dabei ein zentraler Faktor, wie auch das Bundesamt für Statistik festhält. Das zu benennen ist weder Polemik noch eine Schuldzuweisung an einzelne Menschen. Es ist eine nüchterne politische Frage: Wie viel Wachstum wollen wir – und welche Folgen können wir verkraften?
Doch damit ist die Rechnung nicht vollständig. Eine aktuelle Raiffeisen-Studie zeigt, dass die Bautätigkeit durch die heutigen Rahmenbedingungen gebremst wird. Strengere Raumplanung und wachsende Anforderungen führen zu längeren Planungs- und Bewilligungsverfahren und höheren Baukosten. Diese Kosten landen letztlich bei den Mietern.
Die Lösung liegt deshalb nicht in ideologischen Luftschlössern und neuen staatlichen Zwangsvorgaben. Wir brauchen weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und bessere Baulandmobilisierung – vor allem aber eine Zuwanderung, die sich am verkraftbaren Wachstum orientiert. Bezahlbarer Wohnraum entsteht dort, wo Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen. Basel zeigt, wohin ein überzogenes Regulierungskorsett führen kann: Investoren ziehen sich zurück, weil die Renditeerwartungen aufgrund des Wohnschutzes zu tief sind. Wohnungsnot bekämpfen heisst nicht nur, mehr zu fordern. Es heisst, die Ursachen anzupacken!

