Leserbrief

Vorwurf oder Analyse?

Zum Leserbrief «Falsche Extremismusvorwürfe» vom 21. Oktober

Herr Ender, als Erstes wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir keine Worte in den Mund legen. Ich habe keine Forderungen zu automatischen Ausschlüssen gestellt, sondern meine Kritik an Ihrem Entscheid geäussert, einen Ausschluss zu unterlassen. Der private Veranstalter hat das Recht, Personen von seinem Anlass (in diesem Fall im Umzug selbst) wegzuschicken – aus welchen Gründen auch immer. Das von Ihnen angesprochene Diskriminierungsverbot ist für die Polizei relevant, die das auch so umgesetzt hat. Oder hätten Sie auch Gegendemonstranten in Ihrem Marsch mitlaufen lassen? Bei einem Nein müssen Sie sich Ihren eigenen Vorwurf gefallen lassen.

Faszinierend finde ich jedoch den Whataboutismus. Mit diesem wollte Herr Ender zwar nur ablenken, aber im Endeffekt verteidigt er damit den Rechtsextremismus, der gemäss seinen getätigten Aussagen ja gar nicht so schlimm sein soll.

Das Interessante an der ganzen Situation ist doch sowieso, dass er sich im Nachgang einfach nur von der Jungen Tat und deren Banner hätte distanzieren müssen. Vielleicht wusste Herr Ender damals nichts von deren Präsenz oder hat die Spruchbänder mit den rechtsextremen Inhalten nicht gesehen, jetzt mal als Unschuldsvermutung. Aufforderungen zur Distanzierung gab es, aber das wollte er nicht. Das war der Entscheid von Herrn Ender, und so kommt die Beurteilung nach ebenjener Handlung zustande. So wie von ihm gefordert. Ach, und selbst wenn er es jetzt noch machen sollte: Zwei Jahre zu spät, das glaubt niemand mehr.

Ich stehe zu meinen Aussagen in diesem und dem vorherigen Leserbrief, die Argumente dazu habe ich geliefert. Und da das hier die Spalte für Leserbriefe ist, belasse ich es bei dieser einen Replik.