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Leserbrief

Von Äpfeln und Birnen

Zum Leserbrief «Von Eidgenossen und Sympathisanten» von Tanja Föhn vom 27. Januar

Der Vergleich zwischen den Eidgenossen von einst und den Palästinensern von heute ist tatsächlich bestechend – zumindest, wenn man Geschichte grosszügig abstrahiert, Details ausblendet und Zeit, Ort sowie Absichten als nebensächlich betrachtet.

Die alten Eidgenossen kämpften bekanntlich gegen fremde Herrschaft, um eine eigene Selbstverwaltung, Rechtsordnung und innere Stabilität aufzubauen. Ihr langfristiges Ziel war ein Gemeinwesen, das Sicherheit schafft, Konflikte begrenzt und Gewalt irgendwann überflüssig macht. Terror gegen Zivilisten gehörte dabei weder zur Strategie noch war er legitimiert – im Gegenteil: Ordnung war ihr erklärtes Ziel. Wir können uns heute glücklich schätzen, dass ihnen dies gelungen ist.

Die palästinensische Realität wird hingegen seit Jahrzehnten wesentlich von Akteuren geprägt, die Gewalt nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern als identitätsstiftendes Prinzip einsetzen. Raketen auf Wohngebiete, Selbstmordanschläge und die bewusste Instrumentalisierung der eigenen Zivilbevölkerung sind eine eher moderne Form des Freiheitskampfs – und, Gott sei Dank, schlecht dokumentiert in der Geschichte der Schweiz.

Nicht alle Palästinenser sind Terroristen, aber die Hamas und die Bevölkerung des Gazastreifens sind so wenig voneinander zu trennen, wie die deutsche Bevölkerung und die Nazis im Jahr 1939. Die Eidgenossen lebten auch nicht von milliardenschwerer internationaler Unterstützung, betrieben keine systematische islamistische Indoktrination ihrer Kinder und erklärten den Tod nicht zum Endziel, sei es der eigene Märtyrertod oder die Vernichtung von Andersgläubigen. Sie bauten Brücken, Bündnisse und Institutionen – keine Tunnelsysteme unter Wohnquartieren. Denn Freiheit entsteht dort, wo Gewalt überwunden wird. Nicht dort, wo man sie perfektioniert.