Leserbrief

Verlässlichkeit oder Beliebigkeit?

Zum Leserbrief «Neutral für Russland?» vom 21. August

Der Leserbriefschreiber behauptet, die Neutralitätsinitiative helfe Russland. Dem muss entschieden widersprochen werden, denn es geht um die Verlässlichkeit der Schweizer Aussenpolitik. Wer Sanktionen von fremden Mächten übernimmt und dabei noch jubelt, hat den Kern der Schweizer Neutralität nicht verstanden. Wer ihr Adjektive wie aktiv, flexibel, wertebasiert oder pragmatisch hinzufügt, will sie abschaffen. Den EU-Turbos und Nato-Freunden ist sie ohnehin ein Dorn im Auge. Die Initiative will lediglich die Neutralität so in die Verfassung schreiben, wie sie sich über 200 Jahre bewährt hat, nämlich immerwährend, bewaffnet und umfassend. Damit stärkt der Souverän dem Bundesrat den Rücken.

Kriege sind grausam, der Blutzoll enorm und das Leid unermesslich. Bei manchen Politikern ist das leider in Vergessenheit geraten. Wenn der deutsche Bundeskanzler Merz öffentlich sagt, er hätte keine Angst vor einem Atomkrieg, dann zeigt dies, dass er nicht ganz bei Trost ist, aber auch, wie wichtig die strikte Neutralität für die Schweiz ist. Wenn sie keine Sanktionen mehr mitträgt und sich von militärischen Blockbildungen fernhält, ist sichergestellt, dass sie nicht in den Strudel aus gegenseitigen Drohungen hineingezogen wird und zur Kriegspartei wird. So bleibt die Unabhängigkeit der Schweiz gewahrt, und sie kann zwischen den Kriegsparteien vermitteln sowie ihre guten Dienste und humanitäre Hilfe anbieten. Deshalb verdient die Schweiz ein klares Ja zur Neutralitätsinitiative.