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Leserbrief

Teure digitale Abhängigkeit

Zum Artikel «Kanton setzt auf Microsoft 365» vom 4. April

Der Regierungsrat des Kantons Schwyz hat letzte Woche beschlossen, einen Grossteil der IT-Infrastruktur an einen US-Konzern auszulagern. Was als Fortschritt verkauft wird, ist in Wirklichkeit ein grosser Schritt in die absolute digitale Abhängigkeit. US-Konzerne sind per Gesetz verpflichtet, den US-Behörden Zugriff auf sämtliche Daten ihrer Kunden zu gewähren, ohne die Kunden oder die Öffentlichkeit darüber informieren zu dürfen. Letztes Jahr sperrte Microsoft auf Geheiss von US-Behörden gar willkürlich den Zugang eines Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs.

Nachdem viele Unternehmen sich blindlings in die Cloud gestürzt haben, ist für viele Sicherheitsexperten klar: Unabhängigkeit und souveräne IT sind ein Muss!

Gerade in Notfällen muss ein Kanton unabhängig agieren können. Sonst können Feuerwehr oder Krisenstäbe nicht mehr untereinander telefonieren, wenn ein Stromausfall irgendwo im Ausland die Leitung in die USA lahmlegt. Viele Unternehmen versuchen, sich wieder aus der Abhängigkeit zu lösen, nicht zuletzt, weil die Anbieter die Preise massiv erhöhen. In vielen europäischen Ländern haben die Behörden erkannt, dass die Abhängigkeit ein Fehler war, und setzen wieder auf unabhängige Lösungen, die unter eigener Kontrolle sind und den Datenschutz gewährleisten.

Aktuell setzt der Kanton Schwyz frei verfügbare Mailserver ein. Eine Verschiebung in die proprietäre US-Cloud führt in die Abhängigkeit und kostet hohe Abogebühren für jeden Kantonsangestellten. Unsere Steuergelder fliessen an US-Konzerne statt an Schwyzer. Als IT-Unternehmer berate ich unsere Kunden immer zur Unabhängigkeit. Viele Kunden sind dankbar und sparen viel Geld, weil sie auf eigene Server im eigenen Gebäude setzen. Auch der Kanton Schwyz soll überdenken, ob er digital unabhängig bleiben will.

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