Leserbrief

Schweizer Identität

Zum Artikel «Die ‹schweizerische Identität› wird überhöht» vom 5. Juni
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Als Bundesrat der Mitte-Partei sollte Martin Pfister eigentlich wissen, was die Schweizer Identität im Kern ausmacht. Doch seine Aussage im Interview vom letzten Freitag lässt daran zweifeln: Dass uns Deutschschweizern die Deutschen wahrscheinlich näher seien als die eigenen Landsleute in der Romandie, ist eine beschämende Bemerkung. Erst recht aus dem Mund eines Bundesrates der Mitte-Partei, die von sich behauptet, sie halte unser Land zusammen.

Einem Bundesrat und Historiker wie Pfister müsste klar sein: Unsere Identität gründet nicht auf einer gemeinsamen Sprache, sondern auf einer gemeinsamen politischen Kultur der Freiheit. Sie speist sich aus der Selbstbestimmung von Bürgern, Gemeinden und Kantonen und ist von unten nach oben organisiert. Die Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft garantiert uns diese Freiheiten. Der Föderalismus und die direkte Demokratie sind die Früchte dieser Kultur der Freiheit. Im Jahr 1798 riefen die Tessiner «Liberi e Svizzeri», als sie vor die Wahl gestellt wurden, Schweizer oder Italiener zu sein. Frei sein und Schweizer sein – das müsste auch wieder das Motto des Bundesrates sein.